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Symbolpolitik auf Kosten der Glaubwürdigkeit

Mit wachsendem Befremden verfolge ich die jüngsten Kurzreisen deutscher Spitzenpolitiker in Krisenregionen. Erst fliegt Frau Klöckner für einen einstündigen Besuch in den Süden, nun folgt auch noch der Bundespräsident. Während Bürgerinnen und Bürger täglich zu Verzicht, CO₂-Steuer und klimabewusstem Verhalten ermahnt werden, scheint für politische Entscheidungsträger ein anderer Maßstab zu gelten. Es geht dabei nicht um den einzelnen Flug, sondern um das Signal, das solche Aktionen aussenden. Wenn Politiker für Kurzaufenthalte um die halbe Welt reisen, um sich „ein Bild vor Ort zu machen“, obwohl sämtliche Informationen längst in Berichten, Analysen und Livebildern vorliegen, wirkt das wie ein Wettbewerb der Symbolpolitik. Der Nutzen solcher Besuche bleibt fraglich, der Schaden für die Glaubwürdigkeit hingegen ist real. Viele Menschen empfinden diese Diskrepanz als ungerecht: Während der „Kleine Bürger“ höhere Energiepreise, CO₂-Abgaben und strenge Vorgaben schultern muss, werden politische Reisen kaum hinterfragt. Wer Klimaschutz glaubwürdig vertreten will, sollte ihn auch selbst vorleben – und nicht nur von anderen einfordern. Solange politische Inszenierung wichtiger erscheint als konsequentes Handeln, wird die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit weiter wachsen. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger ist ein hohes Gut. Es sollte nicht durch fragwürdige Kurztrips aufs Spiel gesetzt werden.

Peter Ahrend, Ostseebad Sellin, 16.02.2026

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