Mecklenburger Blitz
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Leserbriefe
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dann-fangen-wir-doch-mal-an
Auch ich bin in der DDR aufgewachsen, und ich hatte eine schöne Kindheit und Jugend. Das lag vor allem an unserer Familie, an Freunden und Bekannten, an herzlichen Nachbarn, an der Schule, in der es neben ideologischem Druck, doch auch viele gute Lehrer und Lehrerinnen gab, und nicht zuletzt an einer lebendigen und offenen Kirchengemeinde, in der über andere Themen gesprochen werden durfte als andernorts. Dass unsere Kindheit schön war, lag auch am Westfernsehen, wir haben sogar die Werbung gern gesehen. Dass es kaum Bananen zu kaufen gab und viele andere wichtige Dinge auch nicht, störte mich wenig, konnten wir uns doch öfters über ein Westpaket freuen, manchmal sogar über ein bisschen Westgeld, mit dem wir dann etwas im Intershop holen konnten. Der Satz „Wer das Zeug dazu hatte, ging zur EOS.“ ist einfach nicht wahr, weil das Zeug zu haben, eben nicht reichte. Abgesehen davon, dass die Plätze ohnehin limitiert wurde, brauchte man schon die richtige Weltanschauung. Dass immer mal wieder Ausnahmen gemacht wurden, ändert daran nichts. Ich habe in einem konfessionellen Krankenhaus den Beruf des Krankenpflegers erlernt, von den 28 jungen Menschen in unserem Kurs hätten unter anderen Bedingungen zwei Drittel sicher ein gutes und sehr gutes Abitur gemacht. Leider war das nicht möglich. Ich kann mich auch noch sehr gut an unsere Klassenfahrt erinnern in der achten Klasse. Ich durfte nämlich nicht mit. Sie galt als Jugendweihefahrt, und da ich daran nicht teilgenommen habe, durfte ich als Einziger der Klasse, am Unterricht der Parallelklasse teilnehmen. Unser Klassenlehrer wäre sicherlich großzügiger gewesen, wenn er denn gedurft hätte. Der Schaalsee war tabu auch für einen Wittenburger, die Welt war in Bantin zu Ende. Ich weiß auch noch, dass ich mich jedes Mal ausweisen musste, wenn ich mit der Bahn nach Wittenburg kam. Und wehe, ich hätte keinen Personalausweis dabei gehabt, all das heute unvorstellbar. Die Transportpolizei, der verlängerte Arm des Staates und seiner Sicherheit wie übrigens alle Behörden. Wen hier „der Steuerzahler“ alles mitfinanziert hat, nicht vorstellbar. Kein Wunder, dass es keine Arbeitslosen, sondern immer Arbeitskräftemangel gab. Und was uns, besonders in einer Großstadt als zumutbarer Wohnraum angeboten wurde. Aber was will man auch erwarten, wenn die Miete 15 Mark kostet. Nebenbei wurde damit auch gesagt: Andere Ansprüche hast du nicht zu stellen. Ich hätte gern mehr bezahlt. Dass die Ersparnisse der Bürger im Osten mit der Wende und Einführung der D-Mark (bis auf »bescheidene« Freibeträge) halbiert wurden, ist für mich eine neue Lesart. Der Wechselkurs zwischen West- und Ostmark war ja vorher 1:4. Muss man nicht also sagen, dass 1:2 ein sehr großzügiges Entgegenkommen war? Welche Kommunikationsmöglichkeiten es gab; Briefe schreiben, wenn es schnell gehen musste, auch mal ein Telegramm. Dass der Staat sich hier nicht an das Postgeheimnis zu halten hatte, war klar, genau wie die Tatsache, dass die wenigen Telefonate abgehört wurden. Man vergleiche einmal, mit welchen Kommunikationsmitteln jeder heute ausgestattet ist und sofort jemanden erreichen kann und welches Entsetzen es darüber gibt, dass der Staat bzw. Europa über eine Chatkontrolle nachdenken, um beispielsweise Kindesmissbrauchs vorzubeugen. Ich will nur von meinen Erfahrungen sprechen, nicht von den Grenz- und Mauertoten, nicht von der Schikane, die Menschen erdulden mussten, wenn sie ganz offiziell das Land verlassen wollten, nicht von den politischen Gefangenen in den Stasigefängnissen, die menschlich gebrochen wurden, nicht vom Verfall der Innenstädte, der Kulturgüter usw. von der verantwortungslosen Verschmutzung der Umwelt, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können. Aber es gäbe viel zu sagen. Ich bin dankbar für die friedliche Wende 1989. Sie war im besten Sinn ein Aufstand des Volkes, der nicht durch Lügen und fakenews in „sozialen“ Medien in Gang gesetzt wurde, sondern von Menschen, die oft verzweifelt und hoffnungslos auf die Straße gegangen sind, weil sie genau die Lügen ihrer verantwortlichen Politiker nicht mehr ertragen konnten. Ich bin erschüttert und traurig darüber, wenn ich mitbekomme, dass gerade junge Menschen, die das alles nicht erlebt haben, heute die DDR als Paradies oder zumindest als den besseren deutschen Staat darstellen. Aber wer weiß, vielleicht müssen wir uns noch an viel mehr „neue Wahrheiten“ gewöhnen.mehr... -
sachliche-aufarbeitung-erwuenscht
Hallo Herr Fehrmann, Ihr Beitrag »Es war einmal ...« ist ein guter Kommentar zum Leben in der DDR. Passt! Mich nerven auch die oft einseitigen und unsachlichen Kommentare, ohne viel Hintergrundwissen und ganz besonders dann, wenn mir jemand erzählen möchte, wie ich mich doch zu jener Zeit gefühlt haben muss und was ich alles vermisst habe. Tatsächlich hat es aber auch Menschen gegeben, die hatten kein Problem damit, dass Bananen fehlten, die waren durchaus mit ihrem Leben zufrieden, hatten eine schöne, unbeschwerte Kindheit, eine solide, kostenfreie Schul- und Berufsausbildung, auf die man heute noch stolz sein kann. Wer das Zeug dazu hatte, ging zur EOS (Erweiterte Oberschule), machte Abitur und bewarb sich danach für ein Direktstudium. Mitunter bekam man nicht gleich den gewünschten Studiengang, aber BWL ging mit 100-prozentiger Sicherheit immer. Auch neben dem Beruf konnte man problemlos ein Fernstudium absolvieren. Die Aus- und Weiterbildung hatte einen hohen Stellenwert und war nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Klar, es gab auch viele Dinge, über die man sich oft geärgert hat, aber wo gibt es das nicht. Auch, wenn ich heute bestimmt einiges anders machen würde, so denke ich doch gern an die 30 Jahre meines Arbeitslebens in einer Rostocker Firma zurück, die nach der »Wende« verkauft und privatisiert wurde, an die Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich nicht nur zusammen gearbeitet habe, sondern mit denen auch sonst eine freundschaftliche Verbindung bestand, mit einigen bis heute. Ich finde es schade, dass 36 Jahre nach der Deutschen Einheit noch immer sehr halbherzig über das Leben in der DDR berichtet wird, als gäbe es nur diese eine »Busch«-Perspektive. Dabei wäre eine »ehrliche und sachliche« Aufarbeitung ein wichtiger Schritt, um Vorurteile, die bis heute bestehen, abzubauen. Wer nichts über die Rolle und die Aufgabe der Treuhand bei der Privatisierung der Betriebe im Osten in der Nach-Wendezeit weiß und wer auch noch nie etwas davon gehört hat, dass die Ersparnisse der Bürger im Osten mit der Wende und Einführung der D-Mark (bis auf »bescheidene« Freibeträge) halbiert wurden, der würde spätestens dann verstehen, weshalb nicht nur die Vermögensstruktur und -entwicklung in den »neuen« Bundesländern anders ist, als in den »alten«. Noch sechs Wochen, dann feiern wir wieder den Tag der Deutschen Einheit. Ich würde es gut finden, wenn sich der Krampf löst und sich die Beiträge mehr auf eine sachliche Aufarbeitung oder auch auf Berichte über die »36 Jahre nach der Wiedervereinigung« konzentrieren.mehr... -
worte-als-waffe
Wer sich derzeitig die Mühe macht, um die Losungen auf den Wahlplakaten zu verinnerlichen, findet interessante und weniger berührende Botschaften. Letztendlich muss jede Partei gut überlegen, wie sie mit einem begrenzten Etat möglichst viele Wähler erreicht. Mühe muss man sich auf jeden Fall geben und es schadet auch nicht, wenn man kreativ oder humorvoll Ideen umsetzt. Manche Wahlplakate bieten sogar einen Überraschungseffekt (im positiven Sinn). Es gibt allerdings auch manchmal Grenzwertiges oder eine Wortwahl, die wenig förderlich für eine demokratische Gesellschaft ist. Wer zum Beispiel Hass-Botschaften aussendet, sagt damit, dass er das Wesen einer Demokratie nicht verstanden hat, denn in dieser gibt es verschiedene Perspektiven auf die Dinge des Lebens. Ich würde mir deshalb wünschen, dass jede Partei sehr genau auf ihre Wortwahl achtet. Hass erzeugt bekanntlich wieder Hass. Statt der Sendung von Hass-Botschaften könnte man seine Kraft dafür verwenden, um konkret Gehandicaten, Tieren oder dem Klima zu helfen. Sicher werden viele von den Versprechnungen, die die Parteien derzeit im Wahlkampf machen, aus finanziellen Gründen nicht zu realisieren sein. Trotzdem muss man anerkennen, dass sich wenigstens darum bemüht wird, das Leben für viele Menschen erträglicher zu machen. Wer seine Energie dafür verwendet, um die Interessen von Benachteiligten zu stärken, verdient Anerkennung.mehr... -
katzenleid-verhindern
Eine besorgte Tierfreundin, die sechs kleine Kätzchen, am 18. Juli diesen Jahres gegen 20 Uhr auf einem Parkplatz in Evershagen erblickte, bat den Verein Tiere in Not Warnemünde e. V. um Hilfe. Mit viel Mühe, Geduld, Einfühlungsvermögen, Zeitaufwand und liebevollen Zuspruch gelang es innerhalb von drei bis vier Stunden fünf Kätzchen einzufangen. Wir waren besorgt um das sechste Kätzchen, welches sich noch nicht einfangen ließ. Nach umfangreichen Bemühen, gelang es um Mitternacht auch dieses Katzenbaby zu uns zu nehmen. Die Tierfreundin, selbst eine junge Mutter mit einem Baby, bereitete sich viel Mühe mit ihrem Partner und fuhr ein zweites Mal nach Diedrichshagen, um das verunsicherte sechste Kätzchen mit ihrem Geschwistern zusammen zu führen. Alle sechs Kätzchen wurden sofort im Verein artgerecht untergebracht und versorgt. Wir sind der jungen Mutti so dankbar für die Katzenrettung, wie wir es nicht mit Worten ausdrücken können. Um dafür eine Wertschätzung zu geben, lud ich die aufoperungsvolle Mutti mit ihrem Partner zu einen Candle-Dinner in das Twee Linden, das Restaurant meines Sohnes, ein. Da alle Kätzchen handsam sind, ist erwiesen, dass diese Tiere nicht in der freien Wildbahn geboren bzw. überleben könnten, sondern ein Zuhause hatten und ausgesetzt wurden. Um eine Überforderung der Besitzer zu verhindern, bitten wir, dass alle Katzen, männlich oder weiblich, kastriert werden, bevor es zu neuem Katzenleid kommt. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis! P.S. Wir suchen noch liebe und gewissenhafte Tierfreunde für ein liebevolles und artgerechtes Zuhause.mehr... -
krankenkassen-und-die-beitraege-der-versicherten
Man will es nicht glauben, was da in den Tageszeitungen zu lesen ist: »Kassen verlieren Millionen mit Fonds«. Was durch eine Recherche herausgefunden wurde, ist katastrophal. Eine Reihe gesetzlicher Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigungen soll Beitragsgeld der Versicherten (man spricht von 220 Millionen Euro und mehr) in umstrittene Immobilienfonds investiert und verloren haben und das schon vor Jahren – Geld, das sie verwahrt haben. Damit lässt sich zumindest zum Teil erklären, weshalb die Zusatzbeiträge seit Jahren kontinuierlich steigen, bei einigen Krankenkassen sogar »beträchtlich«. Bisher kann ich mich nur daran erinnern, dass immer wieder falsche Abrechnungen in Größenordnungen, auch aus der Corona-Zeit, reklamiert wurden, die mit dazu beigetragen hätten, dass die Kassen »klamm« sind. Nun kam im Zusammenhang mit der Krankenkassenreform die Offenbarung hinzu, dass der Staat seiner Verpflichtung, die Kassenbeiträge für Sozialleistungsempfänger zu zahlen, seit Jahren nicht nachgekommen ist, wie er es hätte tun müssen. Damit fehlte natürlich viel Geld im System. Jetzt aber auch noch zu hören, dass Millionen Euro verspekuliert wurden, lässt die Krankenkassenreform als einen »Witz« erscheinen. Hier geht es um riesige Beträge, die die Wirtschaftlichkeit einer Krankenkasse schon maßgeblich beeinflussen können. Da werden einerseits Beiträge »nicht« eingezahlt und andererseits wird Beitragsgeld durch riskante Investments »in den Sand gesetzt«, sodass sich mir die Frage stellt: Was genau soll denn jetzt eigentlich reformiert werden? Die Gesetze der Krankenkassen, die das Geld ihrer Versicherten leichtfertig verspekuliert haben? Und was passiert nun? Geht alles weiter, als wäre nichts geschehen? Wer übernimmt die Verantwortung für dieses Desaster? Wer trägt die Verluste? Gibt es Konsequenzen? Sind unsere Beiträge zukünftig noch sicher? Was sagt eigentlich die Politik dazu? Bisher hat sie sich dezent zurückgehalten. Man darf gespannt sein.mehr...
