Mecklenburger Blitz
In der Mecklenburger Blitz Verlag und Werbeagentur GmbH & Co. KG erscheint mit einer Gesamtauflage von über 800.000 Exemplaren in sieben Verlagen und 19 Ausgaben flächendeckend das auflagenstärkste Anzeigenblatt in Mecklenburg-Vorpommern. Wir sind der kompetente Partner und wirkungsstarke Werbeträger der lokalen und regionalen Wirtschaft vor Ort.
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Leserbriefe
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die-mechanik-der-verzerrung
Von selektiver Empörung bis zur Täter-Opfer-Umkehr: Wie eine Schieflage in der Berichterstattung und politische Tatenlosigkeit das Vertrauen untergraben und gesellschaftliche Ressentiments schüren. Wenn Journalismus nicht mehr abbildet, was geschieht, sondern Berichte nach vorgefertigten Narrativen filtert, verliert er seine wichtigste Funktion für die freie Debatte. Ein Blick auf die Berichterstattung über den Nahen Osten und religiöse Konflikte offenbart ein besorgniserregendes Phänomen: Viele Medien agieren längst nicht mehr als neutrale Beobachter. Das Versagen liegt dabei selten in expliziten Falschmeldungen, sondern in einer systematischen Schieflage von Verhältnismäßigkeit, Kontext und politischer Handlungsbereitschaft. Besonders eklatant zeigt sich diese Verzerrung beim Thema religiöser Diskriminierung. Wenn in Jerusalem Kleriker bespuckt oder beschimpft werden, schalten öffentlich-rechtliche Nachrichtenformate wie die Tagesschau schnell in den Modus maximaler Betroffenheit. Von „entsetzlichen Vorfällen“ und einer „absoluten Verrohung“ ist dann die Rede. So berechtigt die Kritik an solchen Übergriffen im Einzelfall ist, so auffällig ist das zeitgleiche Schweigen zum eigentlichen Ausmaß globaler Verfolgung: Dass weltweit in über 50 Ländern Millionen von Christen existenziell bedroht, vertrieben oder systematisch drangsaliert werden, ist denselben Redaktionen kaum eine Randnotiz wert. Geschehnisse werden nicht nach ihrer menschlichen Tragweite gewichtet, sondern danach, wie gut sie in das eigene politische Framework passen. Die Scheinheiligkeit vor der eigenen Haustür: Noch deutlicher wird das Scheitern von Politik und Medien mit Blick auf die Verhältnisse im eigenen Land. Während Betroffenheit über Vorfälle im Ausland lautstark inszeniert wird, herrscht vor der eigenen Haustür oft hilflose Relativierung. Es gehört inzwischen zur traurigen Realität in Deutschland, dass das offene Tragen einer Kippa auf öffentlichen Straßen in vielen Städten mit realen Gefahren für Leib und Leben verbunden ist. Selbst staatliche Stellen raten Juden stellenweise davon ab, sich in bestimmten Quartieren als solche zu erkennen zu geben. Gleichzeitig marschieren Demonstrationszüge über deutsche Straßen, auf denen unverhohlener Judenhass skandiert, das Existenzrecht Israels abgesprochen und religiöse Hetze verbreitet wird. Die Reaktion der Politik erschöpft sich meist in rhetorischen Floskeln und ritualisierten Beileidsbekundungen. Greifbare Konsequenzen, ein konsequentes Durchgreifen des Rechtsstaates oder schlüssige Konzepte, wie diesem Treiben auf deutschen Straßen wirksam Einhalt geboten werden soll, bleiben Mangelware. Katalysator statt Korrektiv: Judenhass und Anti-Israel-Aktivismus speisen sich heute aus den unterschiedlichsten Lagern – von linken Aktivisten über die islamisch geprägte Community bis hin zur extremen Rechten und Teilen der bürgerlichen Mitte. Anstatt als differenzierendes Korrektiv zu wirken, fungieren Massenmedien durch einseitige Framing-Muster oft als unfreiwillige bzw. vorsätzliche Beschleuniger. Wenn Antisemitismus verharmlost, durch Täter-Opfer-Narrative bedient oder aus Angst vor politischen Fehltritten verschwiegen wird, verfestigen sich alte Vorurteile in neuem Gewand. Ein Journalismus, der Selektion vor Sachlichkeit stellt, beschädigt seine eigene Glaubwürdigkeit nachhaltig. Und eine Politik, die bei Hass auf den eigenen Straßen wegschaut, verliert ihre Legitimität. Wer mit zweierlei Maß misst, schürt genau jene Spaltung, die er in Sonntagsreden regelmäßig beklagt.mehr... -
lied-kleine-weisse-friedenstaube
Zu den angenehmen Presseartikeln gehört sicherlich für manche Leser der Bericht zum 100. Geburtstag der Schöpferin des Liedes »Kleine weiße Friedenstaube«. In Ostdeutschland wurde es in Kindergärten und Schulen gesungen. Die Verfasserin hatte sich 1949 durch ein Plakat mit der von Picasso gemalten Friedenstaube zu dem Lied veranlasst gesehen. Pablo Picassos Parteinahme für Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt bezeugten u.a. Werke wie »Guernica« und »Friedenstaube«. Geehrt wurde er u.a. mit dem Weltfriedenspreis. Die Liedschöpferin hatte Flucht und Vertreibung im Januar 1945 erlebt. So entstanden die Verse »Du sollst fliegen, Friedenstaube, allen sag es hier, dass nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir.« Auch ich habe die Vertreibung aus der westpreußischen Heimat im Januar 1945 miterlebt. Unvergessen bis heute ist z.B. der Beschuss unseres armseligen Flüchtlingstrecks durch britische Tiefflieger, weil Wehrmachtssoldaten die Treckwagen zum Schutz begleiteten. Unverständlich bleibt mir im Artikel die Bemerkung: »Nach der Wende verschwand es aus den Schulbüchern« – das von Erika Schirmer verfasste wunderschöne Lied von der Friedenstaube.mehr... -
wahlkampf
Auch in unserem Bundesland wird demnächst gewählt, eine Landesregierung die sich auch künftig um die Belange ihrer Bürger kümmert. Der zweite Teil des Wortes heißt Kampf. Der Kampf bezieht sich auf die Anzahl der Stimmen für ihre Partei und diese vertritt dann die Bürger und ihre Belange. Nun könnte man daran ablesen, wieviel Zustimmung der Wähler bisher für diese Partei und sein Wirken hatte und dann setzt er sein Kreuzchen dort. Das dies einigen nicht gefällt, ist zwar einleuchtend, sollte aber nicht in hasserfüllten Äußerungen wie in Wort und Schrift enden, das könnte ein Rohrkrepierer werden, denn dem Wähler darf zugemutet werden, das er solche Winkelzüge durchschaut. Nun wird Russland bemüht zur Verbreitung von Falschmeldungen, um die Wahlen zu beeinflussen. Also Leute – mich beeinflusst weder ein lächelndes Gesicht vom Laternenpfahl noch die großartigsten Versprechungen in Funk, Fernsehen und Presse. Da können die schnell zusammen gesetzten Gremien noch so verzweifelt trommeln. Ich weiß ja aus der Vergangenheit, was die jeweilige Partei bisher geleistet oder besser gesagt nicht geleistet hat, da nützen auch die großartigsten Versprechungen nichts.mehr... -
ddr-oldtimertreffen
Glänzender Lack, knatternde Zweitaktmotoren und Erinnerungen an vergangene Jahrzehnte verbinden viele Menschen mit der Begeisterung für historische Fahrzeuge. Die Freude an Technikgeschichte und nostalgischem Handwerk ist unbestritten, doch wenn auf solchen Treffen die Grenzen zwischen Fahrzeugnostalgie und der Verharmlosung eines Unrechtsstaates verschwimmen, wird eine gesellschaftliche wie journalistische Debatte dringend notwendig. Immer wieder zeigen Berichte von regionalen Oldtimer- und Techniktreffen Teilnehmende, die in originalen Uniformen der Volkspolizei oder im Stil hochrangiger DDR-Funktionäre auftreten. Was von den Beteiligten meist als harmloser Freizeitspaß gedacht ist und als origineller Party-Gag oder kulissengerechte Unterhaltung inszeniert wird, entfaltet im öffentlichen Raum und in den Medien eine Wirkung, die Betroffene der SED-Diktatur tief erschüttert. Die Volkspolizei war kein historischer Trachtenverein, sondern das zentrale Exekutivorgan eines Repressionsapparates. Sie sicherte die Diktatur nach innen ab, überwachte Bürgerinnen und Bürger, verhaftete Andersdenkende und stützte ein Regime, das Grundrechte verweigerte und Lebensentwürfe zerstörte. Für Tausende bedeutete der Anblick dieser Uniformen reale Angst, Willkür und den schmerzhaften Verlust der persönlichen Freiheit. Wenn diese Symbole heute ohne jegliche Distanzierung getragen und als fröhlicher Unterhaltungsfaktor präsentiert werden, offenbart dies eine besorgniserregende Entkopplung von der historischen Realität. Die Grenze zwischen dem Erhalt von Oldtimern und dem Verharmlosen von Diktatursymbolen ist genau dort überschritten, wo Werkzeuge staatlicher Unterdrückung zur reinen Show umgedeutet werden. Verstärkt wird dieses Phänomen, wenn die mediale Berichterstattung solche Szenen unkritisch aufgreift. Die Reduzierung der DDR-Geschichte auf Ersatzteile, Nostalgie und Ostalgie-Romantik – garniert mit Fotos lächelnder Darsteller in Uniformen – bedient ein Narrativ, das das erlittene Unrecht unsichtbar macht. Medien tragen eine direkte Mitverantwortung für die regionale Erinnerungskultur. Wenn Veranstaltungen mit Diktatursymbolik wiederholt ohne journalistische Einordnung, historische Reflexion oder kritische Nachfrage abgebildet werden, entsteht ein verzerrtes Bild im öffentlichen Bewusstsein. Dieser Verzicht auf Differenzierung wirkt auf ehemals politisch Verfolgte wie eine nachträgliche Entwertung ihrer Leidensgeschichte. Ein reifer Umgang mit der Geschichte verlangt klare Differenzierung. Es ist problemlos möglich, Leidenschaft für die ostdeutsche Technikgeschichte zu pflegen, ohne gleichzeitig die Symbole eines Unrechtsstaates zu verharmlosen. Veranstalter, Teilnehmende und Journalisten sind gleichermaßen gefordert, Sensibilität zu zeigen und klare Grenzen zu ziehen. Eine demokratische Gesellschaft zeichnet sich schließlich dadurch aus, wie empathisch sie mit dem Unrecht der eigenen Vergangenheit umgeht. Wer Geschichte ausstellt oder medial aufarbeitet, darf das Leid der Opfer nicht ausblenden.mehr... -
reparaturen-und-sanierungen-in-den-ferien
»Schulen und Sportstätten werden in den Sommerferien repariert und saniert. KOE Rostock investiert rund 893.000 Euro« Irgendwann hatte ich das schon irgendwo gelesen, und bereits da fiel mir auf, dass der Betrag ja nicht unbedingt riesig ist, aber wenn man dazu keine Anzahl von Projekten hat, kann man das auch nicht wirklich vergleichen. Heute nun habe ich im »Städtischen Anzeiger« vom 24. Juli 2026 einen Artikel dazu gelesen und in diesem wird grob über die Verteilung der Gesamtinvestition berichtet: 194.000 Euro für drei Projekte/150.000 Euro für Reparaturarbeiten in einer Grundschule/40.000 Euro für eine Berufsschule. In insgesamt 13 Schulprojekte soll der Betrag von 843.000 Euro fließen und plötzlich erschien mir dieser Betrag doch »ziemlich dürftig«. Wir haben Objekte von zig Millionen Euro, die im Entstehen sind und wir zahlen zusätzlich zum Gehalt pauschale Leistungszulagen als Boni an alle unsere städtischen Mitarbeiter in Höhe von jährlich insgesamt 2,3 Millionen Euro, nur, weil sie im Tarifvertrag stehen, aber wenn es um die Sanierung von Schulen und schulischen Einrichtungen geht, können wir nur eine »bescheidene« 893.000 Euro Investition für 13 Projekte locker machen. Ich denke, hier haben sich die Relationen gründlich verschoben.mehr...
