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Winterliche Naturereignisse auf Rügen – Einordnung statt Alarmismus

Der aktuelle Winter hat auf Rügen eindrucksvolle Bilder hervorgebracht: Der Schmachter See ist großflächig zugefroren, in den Boddengewässern liegen dichte Eisdecken und selbst im Bereich der Having und des Greifswalder Boddens haben sich stabile Eisschollen gebildet. In manchen Berichten entsteht jedoch der Eindruck, als seien solche Erscheinungen außergewöhnlich oder Ausdruck einer akuten Krise. Eine sachliche Einordnung scheint mir daher angebracht. Viele Menschen hier auf der Insel erinnern sich gut an die Winter der 1960er- und 1970er-Jahre. Damals froren die Bodden regelmäßig zu, der Schmachter See war oft wochenlang eine geschlossene Eisfläche und selbst die Ostsee zeigte in strengen Wintern ausgedehnte Eisfelder. Auch damals kam es vor, dass Wasservögel oder andere Tiere den Winter nicht überstanden. Das war kein Grund für dramatische Schlagzeilen, sondern ein natürlicher Vorgang, der von den zuständigen Stellen routinemäßig dokumentiert und bearbeitet wurde. Heute erleben wir eine andere mediale Dynamik. Bilder verbreiten sich in Sekunden, soziale Netzwerke verstärken Emotionen und einzelne Wetterereignisse werden schnell in größere Zusammenhänge gestellt. Dabei sollte man unterscheiden: Ein strenger Winter widerspricht dem langfristigen Klimawandel nicht. Klima beschreibt Entwicklungen über Jahrzehnte, nicht einzelne Wochen oder Monate. Mir geht es nicht darum, wissenschaftliche Erkenntnisse infrage zu stellen. Vielmehr wünsche ich mir eine Berichterstattung, die historische Erfahrungen berücksichtigt und Naturereignisse nicht unnötig dramatisiert. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen ohnehin verunsichert sind, helfen Gelassenheit und Sachlichkeit mehr als Alarmismus. Die Natur auf Rügen hat weit extremere Winter überstanden – und wir als Inselgemeinschaft ebenfalls. Ein Blick in die Vergangenheit kann manchmal beruhigender sein als jede Schlagzeile.

Peter Ahrend, Ostseebad Sellin, 15.02.2026

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