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Eine Meinung zum Leben in der DDR

Antwort auf den Leserbrief "Schlimm 2.0" vom 13.09.2026

Hallo Herr Hofmann, ich musste Ihren Artikel zweimal lesen, um mich zu vergewissern, dass dies auch wirklich jemand geschrieben hat. Normalerweise kommen solche Kommentare von Menschen, die eher nicht »im Osten« aufgewachsen sind und die daher auch wenig über das Leben in der DDR wissen. Sie sagen in Ihrem Kommentar also folgendes: »Es waren die wenigen Menschen im Osten, die den Mut hatten, für ihre Freiheit auf die Straße zu gehen. Die Mutigen waren unter dem Strich nicht so viel DDR-Bürger.« Dann wissen Sie vielleicht mehr als ich. Ich kann mich jedenfalls daran erinnern, dass damals, nicht nur bei den Montagsdemos, in allen Städten sehr viele Menschen auf die Straße gegangen sind und ich hatte nicht das Gefühl, dass da nur wenige DDR-Bürger daran teilnahmen. Immerhin waren zu dem Zeitpunkt die Grenzen noch geschlossen. Auch muss ich Ihnen ernsthaft widersprechen, wenn Sie sagen: »Und so mancher glaubte dabei, das normale Leben mit halber Arbeitsleistung, bei vollem Lohn, nur jetzt mit D-Mark ginge so weiter.« Ich weiß ja nicht, bei welchem Unternehmen Sie damals gearbeitet haben, das Ihnen derart »soziale« Arbeitsbedingungen geboten hat. Ich jedenfalls habe, bis zur Privatisierung, in einer ziemlich großen Firma gearbeitet und nehme für mich in Anspruch, dass ich sowohl zu DDR-Zeiten, als auch noch viele Jahre danach, mit »voller« Arbeitsleistung mir meinen Lohn redlich verdient habe, egal, ob in Ost- oder West-Mark. Anders wäre das in dieser Firma überhaupt nicht denkbar gewesen. Und bei allen, die ich kenne, war es ebenso. Der Slogan »Privat geht vor Katastrophe«, war doch wohl eher als Witz, mit einem Augenzwinkern gemeint. Wenn es bei Ihnen also anders war, dann ist dies der Beweis, dass solche Aussagen, wie die Ihren, keineswegs zu verallgemeinern sind. Noch zwei Sätze zur Ehrlichkeit am Schluss Ihres Beitrags: Ich kenne sehr viele »Ostdeutsche«, die sich ehrenamtlich in Vereinen, Beiräten, bei den Tafeln, in Wohngebieten, bei Veranstaltungen, bei Kinder- und Sportfesten engagieren und dort aktiv mitarbeiten. Wie könnte man sonst die vielen Events organisieren, wenn da nicht die fleißigen, ehrenamtlichen Helfer im Hintergrund wären. Ich glaube, da brauchen wir uns nicht zu verstecken, zumindest hier in Rostock nicht.

Anonym., Rostock (Name dem Verlag bekannt), 24.09.2026

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