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Kulturabbau

Kulturabbau beginnt dort, wo Politik die Realität der Menschen ignoriert. Die sinkenden Besucherzahlen in den Zoos Mecklenburg‑Vorpommerns werden derzeit gern mit „veränderten Freizeitgewohnheiten“ oder „notwendigen Preisanpassungen“ erklärt. Doch diese Argumentation greift zu kurz. Die Wahrheit ist deutlich einfacher – und deutlich unbequemer: Die Menschen können sich Kultur und Freizeit schlicht nicht mehr leisten. Während die Lebenshaltungskosten erneut gestiegen sind, während Strom, Miete, Versicherungen und Lebensmittel immer größere Teile des Einkommens verschlingen, wird Kultur zum Luxusgut. Ein Zoobesuch für eine Familie kostet schnell 50 Euro und mehr. Wer jeden Monat rechnen muss, ob das Geld für das Nötigste reicht, der spart zuerst dort, wo es nicht existenziell ist: bei Kultur, Bildung und Freizeit. Statt diese Realität anzuerkennen, wird reflexartig der Rotstift angesetzt – ausgerechnet bei den Einrichtungen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Zoos, Museen, Theater und Bibliotheken werden kaputtgespart, während gleichzeitig Milliarden in Rüstungsprojekte fließen und Autowerke zu Rüstungsstandorten umgebaut werden. Für Panzer ist Geld da, für Kinder, Familien und Kultur offenbar nicht. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Warum kommen weniger Besucher?“ Sondern: „Warum können sich Bürger Kultur kaum noch leisten?“ Solange Politik diese Frage nicht stellt – und erst recht nicht beantwortet –, wird sich an der Entwicklung nichts ändern. Höhere Eintrittspreise sind nicht die Lösung, sondern ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Sie bestrafen jene, die ohnehin schon finanziell belastet sind, und beschleunigen den kulturellen Niedergang. Es ist höchste Zeit, dass Kultur wieder als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge verstanden wird – und nicht als verzichtbare Freizeitoption. Wer Kultur kaputtspart, spart an der Zukunft einer ganzen Gesellschaft.  

Peter Ahrend, Ostseebad Sellin, 14.09.2026

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