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Schlimm 2.0

Antwort auf den Leserbrief "Schlimm" vom 08.09.2026

Die einen finden es schlimm, dass Künstler sich artikulieren über "Jammerlappen und Jammerossis", die anderen finden diese Bewertungen zutreffend. Es ist zunächst mal völlig egal, wer welche Bewertung abgibt. Wir leben in einer freien Gesellschaft, wo jeder seine Meinung kundtun darf. Egal ob der- oder diejenige Künstler, Handwerker, Millionär oder Sozialhilfeempfänger ist. Ich muss aber auch die anderslautende Meinung ertragen können. Gerade bei Betrachtungen über Entwicklungen in den östlichen Bundesländern hilft meiner Meinung nach der ungetrübte Blick auf die letzten 37 Jahre. Ein Beispiel: "Es waren die (Wenigen (der Verfasser))) Menschen im Osten, die den Mut hatten, für ihre Freiheit auf die Straße zu gehen. Die Mutigen waren nämlich unter dem Strich nicht soviel DDR-Bürger. Bei den dann anschließenden freien Wahlen haben sich aber die große Mehrheit der DDR-Bürger für das Gesellschaftssystem der Bundesrepublik, für die D-Mark entschieden. Und so mancher glaubte dabei, das normale Leben mit halber Arbeitsleistung bei vollem Lohn, nur jetzt mit D-Mark ginge so weiter. Privat ging schließlich vor Katastrophe. Soziale Verwerfungen auf der einen Seite im Ergebnis des Anschlusses der DDR an die BRD infolge des Wirken des Marktes, aber auch die politische Last der Gestaltung der Rahmenbedingungen durch die Parteien des Westens ist immer wieder ein beliebter Fingerzeig. Zur Ehrlichkeit gehört dann aber auch, dass sich nur ein verschwindend geringer Teil der östlichen Bevölkerung in Parteien, Gewerkschaften oder Vereinen engagiert und aktiv gestaltet. Beim Fingerzeig auf andere sollten wir nicht vergessen, dass in dem Moment drei Finger auf uns selbst zeigen.

Andreas Hofmann, Papendorf, 13.09.2026

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