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< Zurück zur ÜbersichtSachliche Aufarbeitung erwünscht
Hallo Herr Fehrmann, Ihr Beitrag »Es war einmal ...« ist ein guter Kommentar zum Leben in der DDR. Passt! Mich nerven auch die oft einseitigen und unsachlichen Kommentare, ohne viel Hintergrundwissen und ganz besonders dann, wenn mir jemand erzählen möchte, wie ich mich doch zu jener Zeit gefühlt haben muss und was ich alles vermisst habe. Tatsächlich hat es aber auch Menschen gegeben, die hatten kein Problem damit, dass Bananen fehlten, die waren durchaus mit ihrem Leben zufrieden, hatten eine schöne, unbeschwerte Kindheit, eine solide, kostenfreie Schul- und Berufsausbildung, auf die man heute noch stolz sein kann. Wer das Zeug dazu hatte, ging zur EOS (Erweiterte Oberschule), machte Abitur und bewarb sich danach für ein Direktstudium. Mitunter bekam man nicht gleich den gewünschten Studiengang, aber BWL ging mit 100-prozentiger Sicherheit immer. Auch neben dem Beruf konnte man problemlos ein Fernstudium absolvieren. Die Aus- und Weiterbildung hatte einen hohen Stellenwert und war nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Klar, es gab auch viele Dinge, über die man sich oft geärgert hat, aber wo gibt es das nicht. Auch, wenn ich heute bestimmt einiges anders machen würde, so denke ich doch gern an die 30 Jahre meines Arbeitslebens in einer Rostocker Firma zurück, die nach der »Wende« verkauft und privatisiert wurde, an die Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich nicht nur zusammen gearbeitet habe, sondern mit denen auch sonst eine freundschaftliche Verbindung bestand, mit einigen bis heute. Ich finde es schade, dass 36 Jahre nach der Deutschen Einheit noch immer sehr halbherzig über das Leben in der DDR berichtet wird, als gäbe es nur diese eine »Busch«-Perspektive. Dabei wäre eine »ehrliche und sachliche« Aufarbeitung ein wichtiger Schritt, um Vorurteile, die bis heute bestehen, abzubauen. Wer nichts über die Rolle und die Aufgabe der Treuhand bei der Privatisierung der Betriebe im Osten in der Nach-Wendezeit weiß und wer auch noch nie etwas davon gehört hat, dass die Ersparnisse der Bürger im Osten mit der Wende und Einführung der D-Mark (bis auf »bescheidene« Freibeträge) halbiert wurden, der würde spätestens dann verstehen, weshalb nicht nur die Vermögensstruktur und -entwicklung in den »neuen« Bundesländern anders ist, als in den »alten«. Noch sechs Wochen, dann feiern wir wieder den Tag der Deutschen Einheit. Ich würde es gut finden, wenn sich der Krampf löst und sich die Beiträge mehr auf eine sachliche Aufarbeitung oder auch auf Berichte über die »36 Jahre nach der Wiedervereinigung« konzentrieren.
Anonym., Rostock (Name dem Verlag bekannt), 19.08.2026