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Bauen wir am Bedarf vorbei?

Kürzlich ein Artikel in einer Tageszeitung »Rostocker Familienvater sucht seit drei Jahren eine bezahlbare größere Wohnung«. »Wir finden nichts Leistbares«, so der Vater. So wie seiner Familie geht es vielen anderen, die eine größere Wohnung suchen. Dabei ist nicht immer die Größe der Wohnung das Hauptproblem, sondern die Bezahlbarkeit. Parallel ist aber auch zu lesen: »Der Bauturbo braucht noch Zeit. Erste Städte planen Wohnungsbau-Projekte mit dem neuen Instrument«. Auch die Rostocker Bürgerschaft hatte sich Anfang des Jahres mit diesem Thema und dessen Umsetzung beschäftigt. Einen Bau-Turbo? Allein mit diesem Begriff hadere ich, weil bei solchen Aktionen meist in erster Linie die Interessen der Investoren, Makler oder Immobilienverbände in den Vordergrund rücken, mit vorwiegend privatem Wohnungsbau. Aber die Fragen sind doch: Brauchen wir noch mehr Eigentums-, Zweit- oder Ferienwohnungen, (Ostseeperlen), die Investoren für ihre Kunden als Geldanlage schaffen? Wie sieht eigentlich der Wohnraumbedarf für die Einwohner der Stadt ganz konkret aus? Einfach nur zu sagen: Wir müssen bauen, reicht nicht! Was wir wissen, ist: Wir brauchen »bezahlbaren Wohnraum«, ansonsten bauen wir am Bedarf vorbei! Das trifft den Kern und käme auch dem Grundanliegen des »Bauturbos« in seinen Anfängen vom September 2023 mit den Initiativen »Bezahlbarer Wohnraum« näher. Was nützen uns Wohnungen, die sich kaum jemand leisten kann? Und wenn Rostock dringend mehr Wohnraum braucht, dann bitte auch solchen, der gesucht wird! Das Merkmal »bezahlbar« sollte deshalb bei zukünftigen Bauvorhaben eine vorrangige Rolle spielen. Dann sind da noch die seit Jahren in Planung befindlichen Wohngebiete, zum Beispiel Groter Pohl in der Südstadt. Hier sollen etwa 1.000/1.200 Wohnungen entstehen. Wäre doch schön, wenn es auch damit endlich voran ginge. Und – es tut sich etwas am Werftdreieck. Die WIRO will mit den Bauarbeiten des neuen Wohnquartiers (700 WE) an der Werftstraße beginnen, nach fast zehn Jahren Planung! Wenn man davon ausgeht, dass eine kommunale Genossenschaft beim Bau »den Hut« auf hat, kann man hoffen, dass hier Wohnungen zu halbwegs erschwinglichen Mietenpreisen entstehen werden. Nur beim neu geplanten WarnowQuartier, am östlichen Ufer der Unterwarnow, sollten wir damit rechnen, dass dort zwar circa 800 bis 1.000 WE gebaut werden, aber außer den wenigen sozial geförderten Angeboten, wird der Wohnraum wohl kaum für alle »bezahlbar« sein. Dafür will aber die WG Schiffahrt/Hafen im Bereich Bleicherstraße 200 neue Wohneinheiten errichten und in der Wolgaster Straße in Lichtenhagen sind 150 geplant. Weitere Bauvorhaben werden in Lichtenhagen 180 WE, in Schmarl 256 WE, Am Pulverturm, Am Kesselborn und in Biestow (400 WE) durch Investoren umgesetzt. Wenn man also gelegentlich in der Zeitung liest, dass wir bis 2030 jährlich 720 neue Wohnungen in Rostock bauen müssen, dann sind wir doch recht gut in der Spur und könnten dieses Ziel bei Realisierung der oben genannten Bauvorhaben, die teilweise seit Jahren in der Warteschleife stehen, auch ohne Bau-Turbo locker schaffen. Die Einschränkung dabei ist, dass ein Großteil dieser Projekte Wohnraum schafft, der wohl kaum zu dem bezahlbaren gehört.

Anonym., Rostock (Name dem Verlag bekannt), 27.07.2026

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