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Stadtverordnete entschieden

Am 29. Juni wollte die Schweriner Stadtvertretung über den Bürgerantrag zum entgeltfreien öffentlichen Nahverkehr in der Landeshauptstadt entscheiden. Was sie dann auch tat. Als einer der Stadtvertreter, der zu der Beratung eilte, das Spruchband unserer Kleinstdemo vorm Rathaus las, rief er uns zu: Schöne Idee, ja, aber wer soll das bezahlen?! Ich fragte mich in dem Moment: Hat er unser Konzept, über das er befinden soll, überhaupt gelesen? Ein Journalist beschrieb in einem Artikel recht sachlich unser Anliegen, die zahlreichen Probleme, die dabei entstünden, und die Vorteile für die Bürger und Gäste der Stadt. Er gebrauchte allerdings den etwas irreführenden Zungenschlag vom »kostenlosen« Nahverkehr. Den gibt es natürlich nicht. Was ist schon kostenlos... Die Stadtvertreter kamen an dem Abend zu einem, wie ich finde, weisen Entschluss. Am wichtigsten: Die Mehrheit zeigte sich sehr offen für die Grundidee Fahren ohne Ticket: Das Finanzierungsprinzip ist einfach. Alle Einwohner ab 18 zahlen monatlich elf Euro. Zusammen mit einem vergünstigten Pendlertarif und einem Gästeticket wären die Fahrkosten gesichert; niemand bräuchte mehr einen Fahrschein zu kaufen. Und: In Schwerin entstünde etwas, was für viele Bürger nicht allein eine enorme Erleichterung im Alltag brächte. Es gäbe für viele bessere Möglichkeiten zur Teilhabe an den sozialen Angeboten. Die Lebensqualität in der Stadt würde im Ganzen – und für alle – entschieden verbessert. Die Landeshauptstadt gewänne somit einen kräftigen Zuwachs an Zukunftsfähigkeit, also Modernität. Allerdings, nicht weniger wichtig: All das ist nicht einfach so, per Beschluss, zu machen. Die Einführung des entgeltfreien öffentlichen Nahverkehrs bedarf etlicher Voraussetzungen und erzeugt eine Menge praktischer Probleme, die bedacht und gelöst werden müssen. Aber so ist das nun mal bei allem Neuen, ganz normal. Vor allem: Geist und Zusammenwirken müssen investiert werden. Die Finanzierung nach dem Solidarprinzip ist rein rechnerisch leicht, aber man kann niemanden zur Solidarität zwingen. Also müssen die rechtlichen Grundlagen zu so einer Kommunalabgabe mit dem Land geprüft (bzw. geschaffen) werden. Und genau diesen Auftrag erteilte die Stadtvertretung dem neuen Oberbürgermeister. Weise nenne ich das, weil sich darin Offenheit für Neues und zugleich seriöse Grundierung verbinden. Ein guter Zwischenschritt für die Bürgeraktivisten um den Architekten Gottreich Albrecht und die Lehrerin Jana Wolff. Seit acht Jahren nun engagieren sie sich mit ihrer kleinen Gruppe für das Projekt. Seit acht Jahren... Warum die doch so »volksnahen« Vertreter der AfD in der Stadtvertretung nicht für so etwas stimmten, ist mir ein Rätsel. Dr. Jürgen Borchardt, Jana Wolf, Torsten Müller, Gottreich Albrecht, Schwerin

Dr. Jürgen Borchardt, Schwerin, 16.07.2026

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