Leserbriefe lesen

Für unsere Schule

Als Lehrerin und Bildungsautorin orientiere ich mich an dem Bildungs- und Erziehungsauftrag unseres Landes. Ich bin überzeugt, Schule soll junge Menschen nicht nur zu guten Leistungen befähigen, sondern sie auch zu mündigen, verantwortungsbewussten Bürgerinnen und Bürgern erziehen. Selbstverständliche Grundlage unseres Handelns sind die Werte des Grundgesetzes: die Unantastbarkeit der Menschenwürde, Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und gegenseitiger Respekt. Daher möchte ich mit meinen mecklenburgischen Wurzeln Stellung beziehen. Täglich erleben wir in der Schule, wie unterschiedlich Kinder und Jugendliche sind. Sie bringen verschiedene Begabungen, Familiengeschichten, Kulturen und Überzeugungen mit. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, kritisch zu denken, Verantwortung zu übernehmen und friedlich miteinander zu leben. Das gelingt nur, wenn Schule ein Ort des Dialogs bleibt. Deshalb sehe ich politische Entwicklungen mit Sorge, die gesellschaftliche Herausforderungen überwiegend in einem Gegensatz von „Wir“ und „Die anderen“ darstellen. Ein solches Denken mag einfache Antworten versprechen, wird der Wirklichkeit jedoch selten gerecht. Schule muss jungen Menschen vermitteln, dass demokratische Gesellschaften vom Austausch unterschiedlicher Meinungen leben, nicht von der Einteilung in Freund und Feind. Selbstverständlich dürfen Parteien unterschiedliche bildungspolitische Vorstellungen vertreten. Darüber muss offen diskutiert werden. Entscheidend ist für mich jedoch, ob ihre Konzepte den Bildungsauftrag stärken: Kinder und Jugendliche auf ein Leben in einer freien, demokratischen und vielfältigen Gesellschaft vorzubereiten. Bildung bedeutet, Horizonte zu erweitern, Vorurteile zu hinterfragen und die Fähigkeit zu entwickeln, Konflikte mit Argumenten statt mit Ausgrenzung zu lösen. Gerade in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spannungen brauchen unsere Kinder keine Feindbilder, sondern Orientierung. Sie brauchen Wissen über die Welt und über sich selbst. Sie brauchen die Fähigkeit, Fakten von Behauptungen zu unterscheiden, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und Menschen mit anderer Meinung oder Herkunft mit Respekt zu begegnen. Das ist für mich der Kern schulischer Bildung – und ich wünsche mir, dass jede bildungspolitische Debatte sich daran messen lässt. Für unsere Schule. Und da die meisten von uns mal in der Schule waren, verstehen wir auch alle, worum es geht. Um die persönliche Bildung jedes Einzelnen in der Gemeinschaft.

Angi A., Friedberg, 06.07.2026

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.