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Neue »Leistungs-Boni« für Mitarbeiter der Stadt

Eigentlich finde ich es gut, dass unsere Stadtbediensteten ordentliche und auskömmliche Gehälter bekommen, denn sie sorgen dafür, dass die Arbeit in Behörden, Ämtern, Institutionen und Einrichtungen in geordneten Bahnen abläuft und erledigt wird. Es ist auch in Ordnung, dass diese durch einen Tarifvertrag geschützt und sicher sind, egal, ob die Stadtkasse leer oder voll ist. Und wenn alles gut läuft, dann setzt die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes auch jährlich eine Erhöhung der Gehälter für die Beschäftigten durch (zum 1. Mai 2026 2,8 Prozent). Hinzu kommen, laut Vertrag, eine Geburtstagszuwendung in Höhe von 60 Euro, Weihnachtsgeld und auch eine Erholungsbeihilfe im Sommer – Zahlungen, die tariflich vereinbart sind und von denen die meisten Bürger nur träumen können. »Erholungsbeihilfe«? Gab es in meiner Firma nie! Nun stand vor ein paar Tagen ein Artikel in einer Rostocker Tageszeitung, in dem von einer monatlichen Leistungszulage für die 2.700 Mitarbeiter der Stadt die Rede war, eine Zahlung, die offenbar ebenfalls im Tarifvertrag festgeschrieben ist und die somit auch gezahlt werden muss! (?) Wie kann es aber sein, dass eine Leistungszahlung für alle Mitarbeiter überhaupt im Tarifvertrag festgeschrieben ist, ohne zu wissen, ob jeder Mitarbeiter diese überhaupt verdient hat? Ich kann mir vorstellen, dass ein Pauschalbetrag für derartige Zahlungen bereitgestellt wird, aber nicht, dass jeder Mitarbeiter einen festen Anspruch darauf hat. Leistungszahlungen sollten individuell und eine Belohnung dafür sein, wenn eine besondere oder zusätzliche Leistung erbracht wurde, die über die normale Arbeit hinausgeht, denn die wird ja bereits mit dem Gehalt vergütet. Bei einem hohen Krankenstand zum Beispiel, könnte man sich vorstellen, dass Mitarbeiter zusätzliche Aufgaben übernommen haben, die gewürdigt werden sollen. Das betrifft aber mit Sicherheit nicht alle Beschäftigten. In Zeiten, wie diesen, in denen die Bevölkerung aufgerufen wird, den Gürtel enger zu schnallen, in denen die Kassen der Stadt leer sind, in denen historische Gebäude eingerüstet auf Sanierung warten, in denen es an allen Ecken und Enden klemmt, weil kein Geld da ist, finde ich es schon sehr unsensibel, den gesamten Mitarbeitern der Stadtverwaltung pauschale Belohnungen auszuschütten, die in die Millionen gehen. Ich habe gelernt: Man kann nur das Geld ausgeben, was verdient wurde. Hier aber könnte schnell der Eindruck einer gemeinschaftlichen, steuerfreien Gehaltsaufbesserung entstehen.

Anonym., Rostock (Name dem Verlag bekannt), 02.07.2026

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