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Gesundheitsreform – wie wird sie stattfinden?

Da wird wiederholt festgestellt, dass die 93 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland tief in den roten Zahlen stecken und dass im kommenden Jahr etwa 15 Milliarden Euro Einnahmen fehlen werden. Und es wird von einer Gesundheitsreform gesprochen, die notwendig ist. Aber alles, was ich erkennen kann, ist, dass nach Möglichkeiten gesucht wird, um die ständig steigenden Kosten schnell und unkompliziert auf die Beitragszahler umzulegen. Im Raum stehen höhere Zuzahlungen für Medikamente – der einfachste Weg, einen Großteil der Kosten den zahlenden Versicherten aufs Auge zu drücken. Nur, davon gibt es schon genug, denn neben dem Grundbeitrag von 14,6 Prozent, zieht jede Krankenkasse einen individuellen Zusatzbeitrag ein und wenn ich mein Medikament aus der Apotheke hole, muss ich es entweder selbst bezahlen oder es wird ein Zusatzbeitrag von fünf bzw. zehn Euro erhoben. Wenn ich dann noch Pech habe, übersteigt der Herstellerpreis den Festbetrag, der durch die Kasse übernommen wird und ein weiterer Zusatzbetrag ist fällig, um diese Differenz auszugleichen. Da gibt es keine Grenze und ich frage schon jetzt nach dem Sinn der jährlichen Preisverhandlungen zwischen den Kassen und der Pharmazie. »Wichtig aber ist, der Grundbeitrag bleibt schon seit Jahren stabil!« Die fast jährlichen Erhöhungen der individuellen Zusatzbeiträge der Kassen zeigen, dass das Solidarsystem so, wie es einmal gedacht war, längst nicht mehr funktioniert. Inzwischen gibt es zu viele Sonderregeln und Ausnahmen, die zwar sozial gut gemeint, aber auf Dauer nicht finanzierbar sind. Deshalb muss das System vom Grunde auf reformiert werden. Dabei ist es richtig, sich diese Sonderregelungen anzuschauen, auch die Mitversicherung von Familienmitgliedern, die letztendlich durch nur einen Einzahler versorgt werden. Die Beitragsbemessungsgrenze gehört ebenfalls dazu. Wieso? Weil man damit Großverdiener ganz besonders schont. Bei allen anderen Mitgliedern, deren Einkünfte unter der Bemessungsgrenze sind, unterliegt auch jeder verdiente Euro der Beitragspflicht. Und es versteht sich von selbst, dass auch Beiträge, die für Bezieher sozialer Leistungen von staatlichen Stellen aus Steuergeldern finanziert werden müssen, in voller Höhe in das Solidarsystem einzuzahlen sind. Was sonst? Alles andere ist Mauschelei und hat zur Folge, dass die Probleme nicht beseitigt werden, sondern nach kurzer Zeit erneut auftreten. Klare, transparente Beitragszahlungen und auch Abrechnungen sind die Voraussetzung für ein funktionierendes System, das dann auch durch die Mitglieder mit getragen wird. Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sollte in die Reform mit einbezogen werden, denn hier findet Verwaltungsarbeit für die Kassen statt und auch die wird bezahlt. Und letztendlich sollte man sich auch mit der Anzahl der Krankenkassen beschäftigen. Unter einer Reform stelle ich mir vor, dass nach einer Bestandsaufnahme analysiert wird, wieso sich die Einnahmen/Kosten nicht, wie geplant, entwickelt haben. Dabei werden Schwachstellen aufgedeckt, die dann beseitigt werden können. Grundlage muss jedoch sein, dass alle Mitglieder, die Einkünfte haben, angemessen an der Finanzierung des Solidarsystems beteiligt werden, damit die wichtigsten Grundleistungen im Gesundheitswesen auch weiterhin für alle angeboten werden können. Auch das ist Gerechtigkeit.

Anonym., Rostock (Name dem Verlag bekannt), 22.04.2026

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