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Bürgerinitiative — Freifahrt

Zukunftsvisionen sind gut, ohne Frage. Allerdings lässt die Bürgerinitiative: Freifahrt.Jetzt.Schwerin einige Fragen offen. Geht man von ca. 40.000 »unterschriftsberechtigten« Schweriner über 18 Jahre aus, entsprechen 2252 Unterschriften 5,63% der Bürger. Eine Minderheit. Warum? - Bürger, die den Nahverkehr nicht nutzen, sollen 11 € zahlen - Pendler, die ausschließlich auf das Auto angewiesen sind »um die 8 €« (eine schwammige Aussage) - Touristen 3 € (pro Tag?, pro Aufenthalt?, wer zieht es ein, welch bürokratischer Aufwand). Fragen über Fragen. Die Aussage »kostenloser Nahverkehr« bzw. »entgeltfreier Nahverkehr« der BI ist eine Täuschung, denn kostenlos ist es ja nicht. Würde das Model umgesetzt – gut für die Umwelt, aber: mehr Fahrgäste bedeutet mehr Bahnen, mehr Personal, mehr Kosten und ruck-zuck reichen 11 € nicht mehr aus und der Bürger sitzt in der »solidarischen Kostenfalle«. Apropos solidarisch. Mit meinen Steuern finanziere ich die Bedürftigen und sozial Schwachen die kostenlos mit dem Nahverkehr fahren. Das ist für mich ok. Mit einem Fahrscheinpreis von 2,70 € vom Marienplatz zum Bahnhof (Kurzstreckentickets gibt es in Schwerin nicht) bin ich auch »solidarisch«. Dem Nahverkehr fehlt Geld. Das ist schlecht, aber ich werde das Gefühl nicht los, als ob die Bürgerinitiative mit ihrer Aktion im Auftrag des Nahverkehrs handelt und diesen sanieren soll. Das ist natürlich nur meine Utopie. Ob es überhaupt rechtens ist von jedem Bürger eine »Zwangsabgabe« einzuziehen muss geklärt werden, was eine neue Bürgerinitiative wäre. Bis dahin fahre ich weiterhin umweltbewusst mit dem Rad und spare jeden Monat 11 €.

Karl Bernhardt, Schwerin, 10.04.2026

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