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Löst keine Probleme

Die jüngsten Forderungen nach einer Reduzierung der Zahl der Bundesländer erinnern mich stark an das, was wir auf Rügen bereits vor Jahren erleben mussten. Damals wurde uns die Eigenständigkeit genommen und der neue Großkreis Vorpommern-Rügen geschaffen – mit dem Versprechen von Effizienz, Kostenersparnis und moderner Verwaltung. Geblieben ist davon wenig. Für die Bürgerinnen und Bürger hat diese Reform vor allem Nachteile gebracht: längere Wege zu Behörden, weniger direkte Ansprechpartner, ein Verlust an Identifikation mit der eigenen Region und eine Verwaltung, die nicht näher, sondern weiter weggerückt ist. Die erhofften Einsparungen sind ausgeblieben, stattdessen wurden Strukturen komplizierter und Entscheidungen in größere Distanz verlagert. Wenn nun behauptet wird, dass größere Einheiten automatisch effizienter seien, widerspricht das unserer praktischen Erfahrung. Auch ein großes Bundesland hätte strukturschwache Regionen, die Unterstützung benötigen. Der Länderfinanzausgleich würde dadurch nicht verschwinden – er würde lediglich anders verteilt. Die grundlegenden Herausforderungen bleiben bestehen. Statt immer neue Gebietsreformen zu fordern, sollten Politik und Verwaltung endlich dafür sorgen, dass Bürgernähe, Transparenz und funktionierende Strukturen im Mittelpunkt stehen. Größe allein schafft keine Effizienz. Nähe, Verantwortlichkeit und regionale Identität hingegen schon.

Peter Ahrend, Ostseebad Sellin, 16.01.2026

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