Leserbriefe lesen

Was für ein Volk?

Wieder einmal hat die Politprominenz den Tag der deutschen Einheit mit langen und salbungsvollen Reden gefeiert. Es wurde gesagt, was alles Gutes erreicht wurde und was für eine große Leistung die Ostdeutschen mit der Wende vollbracht haben. Vieles davon stimmt, aber so viele Jahre danach macht die Realität doch einem anderen Eindruck und stellt Fragen. Da passt es nicht in diese Erfolgsbilanz, dass die Löhne im Osten bei gleicher Arbeit immer noch deutlich niedriger sind, dass die Arbeitslosigkeit im Osten am höchsten ist, dass zunehmend Betriebe im Osten mit Stammsitz im Westen zuerst geschlossen werden und dass die Ostländer im Bewusstsein der meistem Bundesbürger immer noch als rückständig und undankbar gesehen werden, weil sich die Menschen hier eine andere Meinung erlauben, wie es im Westen erwartet wird. Das ist auch bei vielen Politikern der Fall, die zwar sagen, dass man die Lebensleistungen der Ostdeutschen mehr wertschätzen müsse, aber wenn es um das tägliche Leben geht, dann haben eben doch die Wessis das Sagen. Es wird offenbar noch ganz lange dauern, bis die territoriale Einheit auch im Denken und Fühlen der Menschen vollzogen ist. Die Losung "wir sind ein Volk" lässt manchmal doch fragen: und was für eins?

Karl-Heinz Fehrmann, Schwerin, 04.10.2026

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.