Die Seniorenakademie hatte Dr. Sabine Lindqvist vom Pommerschen Landesmuseum eingeladen. Vor 109 interessierten Anwesenden sprach sie über den berühmten Croy-Teppich der Uni Greifswald. Zur Sache selbst: Der Bilderteppich ist 6,9m lang und 4,46 m breit und damit 30,77 qm groß sowie etwa 80 kg schwer. Er wurde 1554 von Herzog Philipp I. von Pommern-Wolgast in Auftrag gegeben und von dem niederländischen Imageweber Peter Heymans 1554 bis 1556 in Stettin mit der Basselisse-Technik (Verfahren der Bildteppich-Wirkerei) hergestellt. Damit wäre er nach heutigem Stand 470 Jahre alt. Er besteht aus Schafswolle, Leinengarn und Garnmischungen. Die Farben wurden aus der Waidpflanze, Knappwurzel, Kermesschildlaus, dem Gelbkraut und Galläpfeln gewonnen. Die letzte Überlebende des Greifengeschlechts, die Herzogin von Pommern Anna von Croy, vermachte ihrem Sohn Ernst Bogislaw von Croy den Nachlass ihrer Familie und damit auch diesen monumentalen Teppich, der so zu seinem heutigen Namen kam. Der Herzog E.B. von Croy übertrug den Teppich am 3. Juni 1681 testamentarisch an die Uni Greifswald. Er starb 1684, und damit gehört dieser der Uni nun schon 342 Jahre. Verbunden ist die Schenkung mit der Bedingung, den Teppich alle zehn Jahre anlässlich des Todestages von Herzogin Anna (7. Juli) im großen Hörsaal der Uni auszustellen. Er ist im Pommerschen Landesmuseum zu bewundern. Z.Zt. wird der Teppich restauriert und soll 2028 anlässlich des 900jährigen Jubiläums der Missionsreisen Bischofs Ottos von Bamberg nach Pommern (1124 und 1128) neu präsentiert werden. Dafür stehen 1,3 Mio. Euro zur Verfügung. Interessenten können in der Schauwerkstatt die Restaurationsarbeiten verfolgen. Kriegsbedingt wurde der Teppich nach Lübeck und in das Kunstgutlager Schloss Celle ausgelagert, und erst anlässlich der 500-Jahrfeier der Uni 1956 konnte er wieder nach Greifswald zurückgeführt werden. Zum Inhalt: Auf dem Teppich sind über 20 Mitglieder pommerscher und sächsisch-ernestinischer Herrscherhäuser bei einer Predigt M. Luthers zu sehen. Im Hintergrund stehen die Reformatoren Melanchthon und Bugenhagen, die Hochzeitspersonen sind unter der Kanzel positioniert: Herzog Philipp I. mit seiner Familie rechts und die Familie seiner Frau Maria von Sachsen, Herzogin von Pommern, links. In der ersten Reihe rechts stehen die 5 Kinder von Philipp und Maria (geb. 1542, 1544, 1545, 1547, 1549). Für die Darstellung der Personen orientierte sich Heymans an Gemälden von Dürer und Cranach. Der Teppich stellt somit ein Bekenntnis zur Reformation als auch der Verbundenheit der sächsischen und pommerschen Fürstenhäuser dar. Nebst vielen weiteren Details, wie z.B. dem kursächsische Wappen, Symbolen der Evangelisten, Mose mit den Gesetzestafeln und einer Sanduhr befinden sich auf dem Bilderteppich insgesamt 10 Inschriften, wie z.B. die rechts von Luther 1893 eingefügte: „GEFERTIGT 1554 ZU STETIN. DER UNIVERSITAET ZU GREIFSWALD DURCH ERNST BOGISLAV HERZOG VON CROY DEN LETZTEN UNSERES ALTEN FÜRSTENHAUSES 1684 HINTERLASSEN. RESTAURIRT 1893.“ Zwischen 1687und 1707 wurde ein Stück aus der Wirkerei herausgeschnitten. Später wurde diese Stelle neu gewirkt und 1893 mit dieser Inschrift versehen. Dieses hervorragende Stück handwerklichen Könnens im Mittelalter wird deshalb im Verzeichnis national wertvoller Kulturgüter geführt. Nachdem die Referentin eine Reihe von Fragen der Anwesenden beantwortet hat, dankte ihr das Publikum herzlich für den sehr interessanten bildunterlegten Vortrag.
Wolfgang Mengel, Seniorenakademie Stralsund