Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Zum Thema Pflege

21.11.2017, Angelika Janz, Ferdinandshof

Anlässlich des Besuches der Sozialministerin im Ferdinandshofer Brandstall sei dies einmal angemerkt. Angesagt ist/war Diskussion um Pflege - die Situation ist aber viel komplexer, und das Best-Organisierteste auf dem Land ist ja die Pflege, da die Pflegedienste, deren Autos überall präsent sind, ja verdienen wollen, auch, wenn deren Leistungen selbst manchmal hier und da zu wünschen übrig lassen ... Das habe ich zusammengetragen an Befindlichkeiten auf einigen Dörfern:

Wenn auch Pflegedienst und Notarzt die Senioren im ländlichen Raum in konkreten Notsituationen nicht so schnell erreichen wie in der Stadt, längst schon keine Lebensmittel-, Sparkassen- und Bibliothekswagen mehr hier halten, erreicht werden die Menschen im ländlichen Raum garantiert unausweichlich von den Emissionen der intensiven Landwirtschaft im ländlichen Raum: von den Glyphosat* -, Gülle - und Gärreste-Spritzungen, - ein pelziger Geschmack kündigt dies an und die Älteren leiden besonders darunter, obwohl man sich mit vielem über die Jahre abgefunden hat. Auch unter den Ausdünstungen der nahen, bald noch größer anwachsenden Biogasanlagen vor allem nachts, wenn die Ventile geöffnet werden und die Fenster geschlossen bleiben müssen. Man stellt die zunehmend schlechtere Qualität des Trinkwassers fest und wird seit ca. 3 Jahren von den Ängsten vor den Auswirkungen künftig installierter Windenergieanlagen geplagt, manche werden jetzt schon krank davon. Auf den Dörfern ist man meist umzingelt von diesen intensiv bewirtschafteten Feldern, die Hälfte des Jahres mit oft über 700 Hin- und Herfahrten von Ernte- Gülle- und Spritzwagen auch lärmbelästigt. Allein die Risse in den Wänden aufgrund der stets donnernden Landwirtschaftswagen zeugen davon – und die unsagbar schlechten Straßen infolgedessen, vor deren Finanzierungsbeteiligung bei Reparaturbedarf die Senioren sich zusätzlich fürchten. Man sucht tagelang bei schönem Wetter das Hausinnere auf, vor allem, wenn man die ersten Spritzwagen auf den Dorfstraßen wahrnimmt. Was ist davon zu halten, wenn in einem 90-Seelen-Dorf in den letzten Jahren über 20 verstorbene Bewohner, ja, wohl alle?, an Krebs verstorben sind? Gibt das nicht zu denken? Mit einer solchen derzeitigen andauernden Daseinsangst hätte vor einigen Jahren noch kaum jemand gerechnet, auch nicht mit der Angst, aufgrund dieser Eingriffe in ein einst ersehnt friedvolles Seniorenleben auch den letzten Rest an Sicherheit zu verlieren: Den Verkaufswert des eigenen Hauses, der als Alterssicherung dienen sollte. Und auch die Kinder und Enkel wissen mittlerweile längst, dass es fast gesünder und arbeitsplatzmäßig auf jeden Fall effektiver ist, nicht mehr aufs Land zurückzukehren, sondern in den Städten zu bleiben. Bedeutet, dass auch der familiäre Halt für viele Senioren höchst unsicher geworden ist. Wie „tickt“ man dort in Schwerin und anders bei in den verantwortlichen Behörden? Hat man die „Demokrafiewandel-Dörfer“ längst abgeschrieben und ist der Meinung, den bald Abtretenden von dieser Welt sei das alles zuzumuten? Zuletzt ist es für den älteren Menschen auch kaum - wenn nicht oder nicht mehr motorisiert - möglich, ins nächste Dorf oder die nächste Kleinstadt zu fahren: Es hält kaum ein Bus mehr, der die Senioren sicher hin und zurück bringen könnte. Mein bescheidener, vielleicht am einfachsten zu realisierender Wunsch wäre als „noch“ radtaugliche Seniorin ohne Pkw: Meist fahren die Busse auf den Dörfern so, dass man zwar hin an das Ziel, aber dann nicht mehr zurückkommt. Fahrradmitnahme mit dafür in den Bussen einfach einzurichtenden Befestigungsmontagen wären hilfreich, dann wenigstens per Rad wieder zurückzukommen.

*Es wurde dieser Tage bekannt, dass 4 von 5 Negativ-Gutachten von Monsato und den Lobbyisten in der EU unterdrückt worden sind.

 

Angelika Janz, KinderAkademie im ländlichen Raum

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