Mecklenburger Blitz Verlag

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Zum Leserbrief vom 01.03. „Russlands Regierung im Schafspelz?“

04.03.2019, Hans Steike, Rostock
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "„Russlands Regierung im Schafspelz?“"
im Vorpommern Blitz vom 03.03.2019

Den o.g. Beitrag von Herrn Nitz kann man nicht unkommentiert lassen. Als Beispiele für Angriffe Russlands greift er – die Ukraine einmal ausgeklammert - ausschließlich auf die Sowjetzeit zurück. Russland ist zwar aus der untergegangenen Sowjetunion hervorgegangen, ist heute aber wie alle ehemaligen Teilrepubliken ein selbständiger Staat und die alte Sowjetideologie wird nur noch von einer unbedeutenden Opposition vertreten. Nach der „Gleichstellungstheorie“ von Herrn Lutz müsste man der Bundesrepublik die Angriffe der Wehrmacht auf Polen, die Sowjetunion und eine Reihe anderer europäischer Staaten anlasten. Schließlich ging sie nach dem 2. Weltkrieg aus den Trümmern des 3. Reiches hervor. Die von Herrn Nitz gewählte Gleichstellung ist einfach absurd. Im sowieso schon falsch ausgewählten Beispiel Afghanistan finden sich gleich eine ganze Reihe von Ungereimtheiten. Wie man sogar bei Wikipedia nachlesen kann, wurde Afghanistan nicht überfallen, sondern die Sowjetunion wurde von der damaligen säkulären, kommunistischen Regierung ins Land gerufen. Im westlichen Sprachgebrauch des Kalten Krieges wurde das dann als „Invasion“ umgedeutet. Auch der radikal-islamische Widerstand bildete sich nicht von selbst. Die anfangs wenig kampfkräftigen und zerstrittenen Mudschaheddin mussten überhaupt erst durch politische, finanzielle und materielle Unterstützung durch die USA (CIA-Operation „Cyclone“ sh. Wikipedia) sowie einige NATO-Staaten und Teile der islamischen Welt aufgepäppelt werden. Nur damit wurden die Grundlagen geschaffen für das, was wir heute Al-Kaida oder Taliban nennen. Die Keimzelle des IS wurde nicht in Afghanistan sondern im Irak gelegt. Eine der Folgen des Überfalls durch eine „Koalition der Willigen“ unter Führung der USA im Irak war das offene Ausbrechen des Konfliktes zwischen Schiiten und Sunniten, der in einen Bürgerkrieg mündete und zusätzlich, befeuert durch den Syrienkrieg, schließlich zur Installation des IS führte. Was das heutige Verhältnis Ukraine-Russland betrifft, sollte man nicht ausblenden, dass der Maidan zuletzt nicht mehr von demokratischer, pro-europäischer Opposition, sondern von gewaltbereiten rechten Nationalisten dominiert wurde und die offen russenfeindliche Politik der ersten Nachmaidan-Regierung erst zu den Ereignissen Ostukraine und damit am Ende auch Krim führte. Diese Seite des Maidan wurde mir erst aus einer älteren „Hart aber fair“-Sendung der ARD bekannt. Heute ist davon weder in Politik noch in Medien mehr die Rede. Warum eigentlich nicht?

Wenn ich hier Wikipedia und „Hart aber fair“ genannt habe, kann ich nicht garantieren, dass diese Quellen nicht auch schon von „Putins Trollfabrik“ unterwandert oder zu „Tarnidentitäten“ mutiert sind.

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