Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Zum Leserbrief »Beschwerde«, 8. März

01.04.2015, Dieter Hein, Stralsund
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Beschwerde"
im Vorpommern Blitz vom 01.04.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

welcher juristischer Teufel« hat Sie geritten als Sie die »Beschwerde« eines Herrn H. Krause am 08.03.2015 veröffentlichten? Ich hatte den Eindruck, dass dieses russlandfeindlich Elaborat in einem ziemlich berauschten Zustand entstanden sein müsste.

Ich hätte zumindest erwartet, dass der zuständige Redakteur eine Anmerkung wie: »Wir sind

nicht verantwortlich« nachgeschoben hätte.

In einem Absatz heißt es: ... was die damalige Besatzung unseren Frauen und Mädchen angetan hat (Vergewaltigung, Erschießung ihrer Männer, Selbstmord der vergewaltigten Frauen usw.).

Wo wurden in Deutschland, speziell in Stralsund, Frauen vergewaltigt? Wo wurden deren

Männer erschossen? Wie viele Frauen begingen Selbstmord? Wie war es in den westlichen Besatzungszonen, wo sogar Namen und Alter der in einem Haus wohnenden Frauen an die

Haustür geschrieben werden mussten - zu welchem Zweck wohl???

Dann: »Abbau der fast gesamten zweigleisigen Bahnstrecken und Betrieben (sicherlich gemeint: Betriebe), so dass der Verkehr fast zum Erliegen kam. Das Material wurde in die SU geschickt und verrottete in der Taiga.« Weiß der Herr Krause nicht, dass in der Sowjetunion während des Rückzuges tausende Kilometer Bahngleise durch die faschistische deutsche Wehrmacht gesprengt wurden? Woher ist Herrn Krause bekannt, dass die in Deutschland als Ergebnis von Reparationsforderungen abgebauten Bahngleise »in der Taiga« verrotteten? Mir sind auch keine zweigleisigen Betriebe bekannt. Anscheinend hat der Herr Krause nicht nur einige Probleme mit der Grammatik.

Dann: »Was war am 17. Juni 1953? Die Besatzer fuhren mit Panzer (richtig: Panzern) in die

Menschenmenge und schossen auf unsere Bevölkerung.« Woher kennt Herr Krause dieses Märchen? War er dabei? Hat er nur Westzeitungen gelesen? Mir ist nicht ein einziger Fall bekannt, in dem auch nur ein sowjetischer Panzer »in die Menschenmenge« fuhr und auf die Bevölkerung schoss.

Dann: »Im Westen Deutschlands halfen die Besatzer wieder mit, ein normales Leben auf zu bauen; was war hier? Bis zum Zusammenbruch der DDR verlangte die UDSSR von dieser laufende Reparationskosten«. Der Autor der vorherigen Zeilen sollte sich einmal überlegen,

welchen Unsinn er verbreitet. In der Sowjetunion wurde durch den deutschen Aggressionskrieg Milliarden von Werten vernichtet; 27 Millionen Sowjetbürger (Soldaten und Zivilisten) kamen ums Leben - teilweise unter grauenhaften Umständen; die Infrastruktur war zu 90% zerstört; in der Industrie gab es Schäden, die kaum zu beziffern sind. Es waren sowjetische Marschälle, Generäle, Offiziere und Soldaten, die in der SBZ das »normale Leben« wieder in Gang zu setzen - anzusehen und nachzulesen im Kulturhistorischen Museum der Hansestadt Stralsund und unzähligen Publikationen.

Nach Meinung des Herrn H. Krause hätte die Regierung der UdSSR (so die richtige Schreibweise) also die Sowjetisch Besetzte Zone aufbauen sollen und dann an die Kriegsfolgen im eigenen Land denken sollen - welch ein Schwachsinn!

Übrigens: Die USA als Initiator des Marshall-Planes handelten nicht uneigennützig. Die Unternehmen dort verdienten Milliarden Dollar am Wiederaufbau der westlichen Besatzungszonen. Auf den Treffen auf JaIta, in Teheran und in Potsdam vereinbarten die späteren Siegermächte UdSSR, USA und GB die Zahlung von Reparationen - nicht nur in Goldmark, auch in Form der Umsiedlung von Industrieanlagen (einschließlich

Eisenbahngleisen), der Übergabe von Kriegs- und Handelsschiffen, Flugzeugen, landwirtschaftlichen Produkten, technischen Unterlagen... . Eine Bezugnahme auf die letzten zwei Absätze »verkneife« ich mir.

Gut gefällt mir eigentlich der letzte Halbsatz: » ...falls Sie wieder mal Ihre Meinung veröffentlichen, bitte erst nachdenken.« Diesen Hinweis hätte H. Krause an sich selbst richten sollen und müssen!

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