Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Zum Gedenken am Volkstrauertag

15.11.2017, Jörg Metelmann, Neubrandenburg
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Ehrloses Gedenken am Volkstrauertag"
im Vier Tore Blitz vom 12.11.2017

Herr Müller hat mir völlig aus der Seele geschrieben, als er den Niedergang der Gedenkkultur in Deutschland im Sinne einer notwendigen Gleichbehandlung der Opfer schilderte. In den am Volkstrauertag gehaltenen Reden nehmen die Worte für die eigenen Landsleute proportional zur Hinzunahme immer weiterer Opfergruppen ab. Das habe ich während meiner regelmäßigen Teilnahmen an den entsprechenden Veranstaltungen enttäuscht miterlebt. Nur die Bundeswehr versucht hier halbwegs noch verbal Widerstand zu leisten. Der 9. November (Progromnacht) wird begangen, der Volkstrauertag zum Gedenken an die Opfer von Nazis und sogenannten "Fremdenfeinden" genutzt, dann kommt der 24. Januar schon wieder, wo landesweit und im Bundestag der Naziopfer gedacht wird, der 8. März als "Frauentag" wird genutzt, um an die Schicksale weiblicher Gefangener zu erinnern, warum nicht auch an unzählige deutsche Vergewaltigungsopfer des Frühjahres 1945? Der 8. Mai ist für uns ehemalige DDR-Bürger erneut zum "Tag der Befreiung" geworden, an dem Politiker mit den Siegern des Krieges deren militärische Machtdemonstrationen beiwohnen (Moskau, 9. Mai, Frankreich, 4. Juli) und zwischendurch unzählige Gedenkfeiern an unübersehbaren Mengen an entsprechenden Gedenkstätten. Alles richtig, wenn es ausgewogen erfolgte. Und wenn ein ehrliches Interesse von Politik und Medien zu spüren wäre, auch an das eigene Volk und seine Millionen Opfer zu denken wie es in der alten Bundesrepublik noch bis in die 70er Jahre selbstverständlich erfolgte. Statt dessen verkündet ein ehemaliger Bundespräsident, Pfarrer von Beruf (!), auf diese Tatsachen angesprochen, er könne nur Mitleid mit denen spüren, die "unter den Deutschen gelitten haben". Und eine Frau Merkel sucht man vergebens an Gräbern deutscher Opfer. Erstaunlich und bewundernswert, dass es trotzdem immer noch Menschen gibt, die sich um die Bergung und würdige Bestattung der Überreste von gefallenen Soldaten und Zivilisten, ungeachtet ihrer Nationalität kümmern. Um deren Arbeit zu würdigen, unterstütze ich den Volksbund weiterhin.

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