Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Zum Brandbrief einer Wismarer Schule

01.07.2019, Wolfgang Mengel, Stralsund

Das, was hier nicht als Einzelfall bezeichnet wird, ist systemisch bedingt, ist hausgemacht. Auch hier regiert die freie Marktwirtschaft, und alles erfolgt nur, ob es sich rechnet, und wenn dabei die Hauptsache, die Bildung unserer Kinder, auf der Strecke bleibt. Ich habe den Eindruck, dass die vorherige Kultusministerin des Landes M/V die Bildungspolitik endgültig an die Wand gefahren hat. Da hatte doch, auch wenn ich mir jetzt Kritik einfahre, die Planwirtschaft der DDR auf diesem Gebiet ihren Vorteil. Ich kann hier aus persönlicher praktischer Erfahrung berichten. Die damalige Abt. Volksbildung beim Rat der Stadt war über die Anzahl der Kinder informiert, über die Anzahl der Klassen, über die Stundentafel und konnte daraus die erforderliche Anzahl der Lehrer für jede Schule entsprechend den Fachgebieten ableiten. Ich habe jahrelang in den großen Ferien den Einsatzplan der Kollegen an der Schule erstellt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich um Lehrer nachsuchen musste oder freie Lehrer zur Verfügung stellen konnte. Das gab es nicht. Sollte jemand benötigt werden, wusste das die Abteilung und schickte automatisch einen Kollegen, egal, ob das eine Umsetzung oder ein frischer Absolvent war. Natürlich gab es auch Situationen, wo es auf die Kraft ging, wenn Krankenstand vorhanden war. Und dennoch war es möglich, den Ausfall mit eigenen Kräften abzufangen und auch meist fachgerecht zu vertreten. Und dabei gab es noch für die Lehrerinnen pro Monat einen Haushaltstag, und als noch der Sonnabend Schultag war, war es mir möglich, den Kolleginnen mit Kindern sonnabends stundenmäßige Erleichterungen einzuplanen. Abgesehen von der ideologischen Überfrachtung des Unterrichts hatten wir ein sehr gutes Bildungssystem, nicht ohne Grund stehen heute die Finnen im Pisabereich mit ganz oben, weil sie sich an diesem Bildungssystem orientiert haben. Es hatte auch Seltenheitswert, dass ein Kollege an mehreren Schulen unterrichten musste, aber das war dann auch fachbedingt, z.B. der UTP-Unterricht. Die Abteilung bemühte sich immer sehr darum, dass die Kolleginnen und Kollegen meist an Schulen in ihrem eigenen Wohnbereich eingesetzt wurden, um unnötiges Fahren und lange Wege zu vermeiden. Wir können nur hoffen, dass die neue Kultusministerin es besser macht, aber auch sie ist an das System gebunden, das kaum eine andere Politik erlaubt.

Wolfgang Mengel, Stralsund

 

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