Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Zu wenig Ärzte?

14.03.2013, Oliver Kahl, Kassenärztliche Vereinigung MV, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Meine Vertrauensärztin"
im Schweriner Blitz vom 10.03.2013

ass die Zahl der zur Verfügung stehenden Stellen für Ärzte, die in eigener Praxis Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen ambulant behandeln dürfen, begrenzt ist. Dies beruht auf einer Entscheidung des Bundesgesetzgebers, der vor gut 20 Jahren beschlossen hat, eine so genannte Bedarfsplanung einzuführen. Diese Bedarfsplanung gilt im gesamten Bundesgebiet gleichermaßen. Sie legt mittels so genannter Verhältniszahlen fest, wie viele Ärzte unter Berücksichtigung der Zahl der Einwohner eine Zulassung erhalten können. Der Hintergrund besteht zum einen darin, dass man für eine gleichmäßige

flächendeckende Verteilung der Ärzte in allen Regionen des Bundesgebietes sorgen möchte und dass zum anderen die Zahl der ambulant tätigen Ärzte auch mit Rücksicht auf die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen limitiert werden soll (Stichwort Beitragssatzstabilität). Die Bedarfsplanung betrifft auch nicht nur die Augenärzte, sondern alle

ambulant tätigen Ärzte, vom Hausarzt bis zum Radiologen. Für den Bereich Schwerin und die Gruppe der Augenärzte verhält es sich so, dass aufgrund der Zahl der bereits zugelassenen Ärzte nach den Vorgaben der Bedarfsplanung keine freien Stellen für Augenärzte mehr bestehen. Die Bedarfsplanung spricht dann von einer »Sperrung« des Bereiches für weitere Zulassungen. Selbstverständlich besitzen diese Zahlenvorgaben

der Bedarfsplanung nur eine begrenzte Aussagekraft bezüglich der tatsächlichen Versorgungssituation in den einzelnen Regionen und bezogen auf die jeweiligen Arztgruppen. Deshalb können im Ausnahmefall auch trotz einer »Sperrung« weitere Zulassungen erteilt werden, wenn ein entsprechender Versorgungsbedarf besteht. Allerdings sind diese Ausnahmen sehr eng begrenzt und nur dann möglich, wenn sie für die Sicherstellung »unerlässlich« sind. Für Schwerin und die Gruppe der

Augenärzte wurde von dieser Ausnahmeregelung in der Vergangenheit bereits Gebrauch gemacht und zwei Ärzten wurde eine entsprechende Bedarfszulassung erteilt. Darüber hinaus stellt sich die Versorgungssituation im Einzugsbereich der Stadt Schwerin so dar, dass eine weitere Augenärztin für Pampow eine Zulassung erhalten hat und voraussichtlich im April oder Mai ihre Arbeit aufnimmt. Die Situation in der Augenklinik betrifft demgegenüber in erster Linie die stationäre Krankenhausversorgung und weniger die ambulante augenärztliche Versorgung. Dessen ungeachtet hoffen wir natürlich auch darauf, dass die Klinik bald wieder mit entsprechenden Spezialisten besetzt ist, damit das Versorgungsangebot in Schwerin wieder umfassend ambulant und stationär besteht, zumal auch die niedergelassenenÄrzte darauf angewiesen sind, dass auch die stationäre Versorgung abgesichert ist. Wir gehen aber davon aus, dass es dem Klinikträger gelingen wird, bald wieder entsprechende Ärzte anzustellen.

Hinsichtlich der angesprochenen Wartezeiten auf einen neuen Termin ist zu berücksichtigen, dass deren Zumutbarkeit auch davon abhängt, wie

dringend die Behandlungsbedürftigkeit ist. Sofern es um reine Kontrolluntersuchungen geht, ist eine Wartezeit von zwei Monaten sicher anders zu beurteilen als bei einer akuten Augenverletzung, die sofortiger Behandlung bedarf. In letzterem Fall wird auch kein

(Augen-)Arzt die Behandlung ablehnen. Natürlich ist der Wunsch eines jeden Patienten nachvollziehbar, alle ärztlichen Leistungen möglichst wohnortnah und möglichst ohne Wartezeit in Anspruch nehmen zu können.

Auf der anderen Seite muss das System dem Gesetzlichen

Krankenversicherung aber auch für alle Bürger bezahlbar bleiben, so dass sich Wartezeiten nicht immer vollständig vermeiden lassen bzw. für bestimmte, insbesondere spezielle Behandlungsangebote auch weitere Wege zurückgelegt werden müssen. Gleichwohl besteht in Deutschland ein im internationalen Vergleich sehr guter flächendeckender Zugang zu allen haus- und fachärztlichen Leistungen.

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