Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Wunder geschehen ...

19.03.2013, Gerhard Tute

... nicht selten auch auf der politischen Bühne. Als im September 2012 der von der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, unter Mitwirkung von Wirtschaftswissenschaftlern, erstellte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung in der Ursprungsversion vorlag, enthielt er noch einige – für die schwarz/gelbe Koalition unbequeme – Wahrheiten.

Doch wen wundert‘s, dass dann zwei Monate später eine »geschönte« Fassung auftauchte, in der kritische Aussagen auf wundersame Weise verschwunden oder umformuliert waren. »Gestohlen« war z.B. auch die auf Grundlage von Erhebungen und Analysen getroffene Feststellung: »Die Privatvermögen in Deutschland sind sehr ungerecht verteilt. Die vermögensstärksten 10 Prozent der Haushalte besitzen über die Hälfte des gesamten Nettovermögens.«

Auch die auf offiziellen Zahlen und Fakten basierenden Aussagen über steigende Löhne im oberen und sinkende Löhne im unteren Bereich waren einfach verschwunden. So auch die Feststellung: »Allerdings arbeiteten im Jahr 2010 in Deutschland knapp über vier Millionen Menschen für einen Bruttolohn von unter 7 Euro.« Aber wer hat diese Wahrheiten »gestohlen«? Ein Schelm, wer da an den kleinen Philipp denkt. Oder war es gar sein »Brüderle«?

Es fehlt das Motiv. Doch fehlt es wirklich? Vielleicht kommen wir der Sache so auf die Spur.

Am 21. November 2012 sagte die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag: »Diese Bundesregierung ist die erfolgreichste seit der Wiedervereinigung.«

Nanu, wie passt denn das zu den o.g. Aussagen im Bericht? Erfolgreich sieht doch eigentlich anders aus?

Das muss den FDP-Chef und Wirtschaftsminister Philipp Rösler natürlich gestört haben. Wer schon einen Rettungsring am Hals trägt, zieht sich doch keinen »Bleischuh« an. Erst recht nicht ein Jahr vor den Wahlen. So muss wohl auch der FDP-Chef gedacht haben. Also wurde besonders auf Drängen der FDP und anderer Kabinettsmitglieder »zensiert« was das Zeug hält.

So entstand das »Wunder von Berlin«.

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