Mecklenburger Blitz Verlag

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Wohnungen nur noch für die Reichen?

20.07.2015, Brigitte Schneider, Warnemünde

Mietwohnungen werden häufig zweckentfremdet und insbesondere zu Ferienwohnungen umfunktioniert. Das kann man in Warnemünde, aber auch in vielen anderen Küsten- und Tourismusgebieten beobachten.Sie sollen für die Eigentümer lukrativer sein. Und überhaupt, was interessiert das Allgemeinwesen, was interessiert die dringende Notwendigkeit, ein Grundrecht der Menschen auf eine Wohnung auch mit Hilfe und Verantwortung durch die Politik durchzusetzen?

Da wir in einem Staat leben, in dem die Freiheit oberste Priorität hat, kann jeder, der kein Geld hat, sich die Freiheit nehmen, auf der Parkbank zu schlafen und jeder, der davon viel mehr hat als er braucht, kann es uneingeschränkt vermehren, auch wenn anderen dadurch unmenschliche Einschränkungen auferlegt werden. Man spricht immer davon, dass »bezahlbare« Wohnungen geschaffen werden müssen. Was das konkret heißt, weiß niemand so genau, denn was für den einen Peanuts, ist für den anderen unerschwinglich. Ich kenne viele ehemalige Warnemünder, die gern wieder in ihrer Geburtsstadt wohnen würden, die es sich aber trotz eines durchschnittlichen Einkommens, gemessen an dem in MV, nicht leisten können, weil die Mieten nicht nur hoch sind, sondern immer höher werden. Viele ältere Mitbürger befürchten, wenn sie mal allein leben müssen, dass sie ihr vertrautes Heim, ihre liebgewonnene Umgebung und Freunde verlieren werden, weil sie umziehen müssen.

Und das Allerletzte ist die Tatsache, dass die Städtische Wohnungsgesellschaft WIRO langjährigen Mietern, die in eine Wohnung im Erdgeschoss ziehen möchten, weil sie schwerstbehindert geworden sind, eine kräftige Mieterhöhung auferlegt, obwohl diese dieselbe Größe und die gleiche Qualität hat. Sie sind schlicht und einfach Neumieter und damit »Mehrgeldbringer«.

Wann sorgen die politisch Verantwortlichen in den Kommunen, im Land und im Bund endlich dafür, dass mehr Sozialwohnungen gebaut werden? Denn das ist sicher, es werden die immer mehr, die »bezahlbare« Wohnungen dringend benötigen, als jene, die sich Luxuseigentumswohnungen leisten können.Ist es vielleicht gewollt, dass Warnemünde, wenn die Alteinwohner biologisch überwunden sind, nur noch den »Reichen und Schönen« gehört?

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