Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Wo viel Licht, da auch viel Schatten

11.11.2010, Dieter Obschernings

Es ist eine bittere Tatsache, dass in diesem Klassenstaat nicht alle Bürger in Ruhe und Frieden miteinander leben. Konkurrenzverhalten gilt als normal, auch wenn dabei gelächelt wird. Diese Art von Entfremdung ist typisch. Jeder ist sich selbst der Nächste. Eine ausgeuferte Bürokratie lähmt das Tun und Trachten der Bürger. Die Dominanz des Geldes prägt die zwischenmenschlichen Beziehungen. Das hier ist doch keine heile Welt! Schon der konfliktgeladene Gegensatz zwischen Arm und Reich ist beängs­tigend. Da nach so vielen Jahren immer noch die negativen Seiten der DDR ins Rampenlicht gezerrt werden, wird offenbar, dass damit nur von den negativen Seiten der heutigen BRD abgelenkt werden soll. In keinem Staat der Welt können alle Bürger tun und lassen, was sie wollen, überall gibt es Gesetze, Regeln, Einschränkungen. Das galt für die DDR und gilt auch heute für Gesamtdeutschland. Dabei hatte aber die DDR niemals so viele Sys­temopfer wie die heutige BRD! Man braucht einen Menschen ja gar nicht einzusperren, um ihn zu erledigen – man braucht ihm nur seine Mittel zum Leben so weit zu kürzen, bis er sogar eine Straftat als mögliche Geldquelle in Erwägung zieht; angehäufte Schulden entwerten sein Leben zusätzlich, schon ist er weg vom Fenster und alle Lebensträume lösen sich in Luft auf. Vielleicht bietet ja die Nationalhymne mit ihrem »Einigkeit und Recht und Freiheit« noch ein wenig Halt, aber kaufen kann man sich dafür auch nichts.

Der deutsche Rechtsstaat, der die bestehenden Ausbeutungsverhältnisse zementieren und beibehalten will, ist in seiner Anzahl der Existenzvernichtungen dem untergegangenen DDR-Regime weit überlegen! Nur erscheint heute die objekte Exis­tenzvernichtung als individuelles Versagen des einzelnen Bürgers und hat angeblich mit dem staatlichen und wirtschaftlichen Sys­tem nichts zu tun! (»Wir wären gut, anstatt so roh, doch die Verhältnisse, die sind nicht so.« B.B.)

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