Mecklenburger Blitz Verlag

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Wittenburg Village

27.12.2017, Hartwig Wischendorf, Schwerin

Das Nullsummenspiel des Ministers: Nun doch grünes Licht für den Einkaufs- und Freizeitpark Wittenburg. Nach den abenteuerlichen Plänen von Herrn Pang für Parchim nun ein ähnlich gigantisches Vorhaben bei Wittenburg, das als Rettungsanker für die chronisch unterbelegte Skihalle fungieren soll. Fachleute sowie Händler in Hagenow, Ludwigslust, Parchim und Schwerin rechnen mit erheblichen Umsatzeinbußen. Der zuständige Minister will davon aber nichts wissen. Von 570 neuen Jobs ist die Rede. Doch das wird bestenfalls ein Nullsummenspiel, weil andernorts Arbeitsplätze verschwinden, verbunden mit Leerstand und Innenstadtverödung. Minister Pegel befördert einen Verdrängungswettbewerb, bei dem die genannten Städte zunächst wohl die Verlierer sein werden. Dass sich das »Wittenburg Village« langfristig als wirtschaftlich tragfähig erweist, ist schwer vorstellbar. 1,5 Millionen Besucher jährlich, so lautet die optimistische Prognose. Doch die Skihalle steht in direkter Konkurrenz zu einer ähnlichen Einrichtung in Bispingen. Erst 2015 wurde das Designer Outlet Center in Neumünster erweitert. Dort warten 120 Läden auf Kundschaft, doppelt so viele, wie in Wittenburg geplant. Hinzu kommen Spezial-Outlets in Hamburg und in Lübeck. Die mit 17,4 Millionen Euro vom Land geförderte Halle, ein Fremdkörper in der Landschaft, hatte von Anfang an Auslastungsprobleme, die 2008 zur Pleite des damaligen Betreibers führten. Dieser Fehlinvestition soll nun eine weitere folgen. Vermutlich hat der Betreiber mit dem Abbau von Arbeitsplätzen gedroht, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Da in der Politik über Nachhaltigkeit zwar viel geredet wird, in der Praxis aber populäre Scheinlösungen bevorzugt werden, hat er damit offenbar auch Erfolg.

Hartwig Wischendorf, Schwerin

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