Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Wieder Erdöl in MV - Fluch oder Segen?

24.06.2014, Walter Stephan, Stralsund

Unter diesem Motto stand am 03. Juni die letzte Vortragsveranstaltung der Seniorenakademie 55plus Stralsund im Frühjahrssemester 2014. Zu diesem Thema, das zur Zeit in ganz Mecklenburg-Vorpommern in Presse, Funk und Fernsehen intensiv und teils kontrovers diskutiert wird, hatten wir den Geschäftsführer der CEP Central European Petroleum GmbH, Herrn Dr. Thomas Schröter als Referenten eingeladen. Über hundert Mitglieder der Seniorenakademie und Gäste waren gekommen, um sich informieren zu lassen.

Herr Dr. Schröter stellte kurz seine Firma vor, die zur Erkundung und Nutzung von konventionellen Erdöllagerstätten nach Deutschland gekommen ist und informierte dann über grundsätzliche Fragen zum Erdöl sowie detailliert über die eigenen Arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern. Erdöl ist tatsächlich ein fossiler Energieträger aber auch ein wichtiger Rohstoff für die verarbeitende Industrie. Entgegen vielfacher Behauptungen steht die Gewinnung von Erdöl aber nicht im Widerspruch zur Energiewende. An Hand einer Verwendungsgraphik zeigte Dr. Schröter, dass große Mengen des in Deutschland genutzten Erdöls für die Herstellung von Kraftstoffen für Land-, Wasser- und Luftfahrzeuge sowie von Heizöl verwendet werden. Für die Erzeugung elektrischer Energie, um die es ja bei der Energiewende geht, wird maximal 1 % des Erdöls verwendet, und zwar für die Betreibung von Notstromaggregaten, auf die z. B. In Krankenhäusern und anderenorts nicht verzichtet werden kann. Aus Erdöl bzw. seinen Verarbeitungsprodukten werden aber auch viele, aus unseren leben nicht wegzudenkende Produkte wie Textilien, Möbel, medizinische Salben und kosmetische Cremes, Spielzeug, Computer- und Fernsehteile u. v. m. hergestellt; nicht zu vergessen auch Teile und Schmieröl für Windkraftanlagen.

Bei seinen Arbeiten konnte CEP auf die Erkenntnisse und Erfahrungen aus den früheren Erkundungsarbeiten des VEB Erdöl-Erdgas Grimmen (EEG) zurückgreifen.

Die CEP hat in MV bisher drei Suchbohrungen abgeteuft und in allen Erdöl angetroffen. Am Weitesten gediehen sind die Arbeiten im Bereich Saal/Barth, wo 2011 auch die erste Bohrung erfolgte. Bis dahin hat die Firma die erforderlichen mehrstufigen Genehmigungsverfahren beim Bergamt Stralsund unter Einbeziehung der so genannten Träger öffentlicher Belange (das sind die fachlich zuständigen regionalen und lokalen Ämter und Behörden wie Umwelt-, Naturschutz- und Wasserbehörden, Landkreis und Gemeinden nicht aber Parteien, Verbände und Initiativen u. ä.) durchlaufen, d. h. eine Aufsuchungserlaubnis beantragt, später, um konkrete Aufsuchungsarbeiten durchführen zu dürfen, einen Betriebsplan zur Zulassung eingereicht und dann auch gebohrt. Die Bohrung Barth 11 ist die erste, die in den neuen Bundesländern soweit abgelenkt wurde, dass sie das Erdölspeichergestein (Staßfurtkarbonat im Zechstein) horizontal aufschließen konnte. Hier machte sich CEP den Sprung in Technik und Technologie zu Nutze, der in den letzten 25-30 Jahren erfolgt war und über den EEG noch nicht verfügte. Die wegen der bohrbedingten Zusetzung der natürlichen Porosität des Speichers erzielte geringe Zuflußrate des qualitativ hochwertigen Erdöls (Leichtöl in so genannter Brent-Qualität) veranlasste CEP, einen Sonderbetriebsplan für eine Testförderung auf der Bohrung Barth 11 beim Bergamt Stralsund einzureichen, um die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Förderung zu prüfen. Wenn die Arbeiten erfolgreich sind, wird CEP in den ersten 25 Jahren der Gewinnung ca. 2,6 Mrd. Euro an Investitionen, Betriebskosten, Förderabgaben, Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer in MV aufwenden.

Nach der Zulassung des Sonderbetriebsplans hat CEP jetzt mittels hydraulischer Stimulierung die Arbeiten zum Anschluss der Bohrung an die Lagerstätte begonnen. Zu DDR-Zeiten hat man das auch gemacht (z. B. Wasser oder Diesel unter hohem Druck in die Bohrlochwand gepresst, um das Öl zum Fließen zu bringen; sogar Versuche mit verflüssigtem Kohlendioxid hat es gegeben). Heute nutzt man dafür ein Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch. Die Chemikalien werden benötigt, um anfangs das Fluid als gelartiges Gemisch (Sand gleichmäßig im Gemisch verteilt) zu halten und nach Abschluss der Pumparbeiten, wenn der Sand die Minirisse offen hält, wieder fließfähig zu machen. Herr Dr. Schröter hat das von CEP vorgesehene Gemisch (dessen Zusammensetzung ist, entgegen anderen Behauptungen, auch auf der Internetseite von CEP nachzulesen) dargelegt, uns die so genannten E-Nummern dieser insgesamt nur 0,5 % ausmachenden Lebensmittelzusätze vorgestellt und uns auch den Unterschied dieses Verfahrens zum „Fracking“ bei der Erschließung von Schiefergaslagerstätten erläutert. Die hydraulische Stimulierung zur Erschließung einer konventionellen Erdöllagerstätte erfolgt einmal je Bohrung bei geringerem Wasserverbrauch, während das „Fracking“ auf einer Schiefergaslagerstätte mit wesentlich größeren Wasservolumina mehrfach wiederholt werden muss.

Wir haben alle bei dem sehr interessanten Vortrag viel über Erdöl im Allgemeinen und die modernen Verfahren zur Erschließung konventioneller Erdöllagerstätten gelernt.

 

Walter Stephan

Stralsund

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