Mecklenburger Blitz Verlag

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Wie viel Bio steckt in Biogas

07.11.2011, Der Name des Autors ist der Redaktion bekannt

Stellen Sie sich einmal vor, Sie treten vor Ihre Haustür und werden mit heftigem Geruch – irgendwie nach Chemie – konfrontiert. Bald kratzt es im Hals, Sie müssen husten. Kopfschmerzen kommen dazu. Wenig später wird Ihre Katze krank. Der Tierarzt ist zunächst ratlos. Wenn Sie so darüber nachdenken, fällt Ihnen auf, dass es vor Ihrer Haustür früher viel mehr Vögel gab. Auch Schmetterlinge und Kröten hatten Sie einmal viel mehr in Ihrem Garten. Ach, der Garten! Den haben die Wildschweine verwüstet.

Das alles kommt Ihnen bekannt vor? Dann liegt es sicher daran, dass Sie an einem Maisfeld wohnen!

Manchmal im Frühjahr sieht man die Hand vor Augen nicht. Dann weht der Wind trockene Erde über das Maisfeld. Mais wächst langsam. Daher liegt der Boden lange offen und der wertvolle Humus kann fortgeweht werden. Erosion nennt der Fachmann das.

Wenn die Pflanzen dann wachsen, bauen sie im Boden Kohlenstoff ab, den sie als CO2 an die Luft abgeben. Damit die Pflanzen wachsen können, werden sie mit Stickstoff gedüngt. Dadurch werden große Mengen Lachgas freigesetzt. Lachgas ist fast 300mal klimaschädlicher als CO2.

Warum sollten wir das wollen?

Mais ist ein Süßgras, das in Mexico heimisch ist. Mais hat sehr hohe Flächenerträge, wird in Biogasanlagen gut verwertet und liefert eine hohe Ausbeute an Methangas. Mais bringt Geld. Aufgrund der Subventionspolitik der Bundesregierung gibt es einen hohen Bonus, wenn Biogasanlagen mit Maissilage beschickt werden. Was am Anfang eine gute Idee war, nämlich aus landwirtschaftlichen Abfällen wie Gülle und Pflanzenteilen umweltfreundlich Energie zu erzeugen, mutet inzwischen wie ein Schildbürgerstreich an: „Bio“ ist das wohl kaum.

Die Maisanbauflächen in Deutschland haben sich inzwischen verzehnfacht. Auf endlosen Feldern wachsen in Monokultur Pflanzen zur Energiegewinnung. Mais ist mit sich selbst verträglich, er wächst also auch dort, wo schon im Vorjahr Mais stand und im Jahr davor und in dem Jahr davor… Die Erträge werden erkauft mit Dünger, mit Wachstumsreglern, Pestiziden und Herbiziden. Wenn zusätzlich zu den zulässigen Düngermengen die Gär-Reste aus der Biogasanlage auf die Felder ausgebracht werden, ist unser Trinkwasser gefährdet. Die Nitrat-Konzentration kann leicht die Trinkwassergrenzwerte überschreiten. Eben dieser Gärschlamm steht in Verdacht, das für Menschen und Tiere tödliche Botulinum-Bakterium zu übertragen.

Wachstumsregler werden gespritzt, damit die Pflanzen nicht umknicken. Herbizide sollen störende Kräuter und Gräser unterbinden. Pestizide werden eingesetzt zum Schutz vor Krankheiten und Schädlingen.

Laut BUND können Insektizide akut giftig, krebserregend, fortpflanzungsschädigend, nervengiftig oder hormonell wirksam sein. Auch für Menschen! Ein hohes Risiko haben die Landwirte selbst.

Pestizide stehen in dem Ruf, Stoffwechsel, Hormonsystem, Immunsystem und Nervensystem zu beeinträchtigen. Missbildungen bei Fröschen, Hühnern, Ratten und auch bei Menschen sind nachgewiesen. Kinderleukämie und Parkinson wird in Zusammenhang mit dem direkten Kontakt zu Pestiziden gebracht. Pestizide schaden den Gewässern. Pestizide vergiften Bienen. Dies ist besonders gefährlich, weil ein Drittel unserer Ernährung von den Bienen abhängt.

Ganz ohne Pestizide könnte man Maispflanzen vor den wichtigsten Schädlingen wie auch giftigem Pilzbefall schützen, indem eine Fruchtfolge eingehalten wird, also nur alle 2 oder besser 3 Jahre auf derselben Fläche Mais anbauen. Aber was geschieht dann in der Biogasanlage? Vielleicht doch die Gülle hinein? Denn die bleibt ja. Gülle verbraucht keine Flächen. Gülle landet im Winter sogar auf den gefrorenen Feldern und trägt immer weiter zur Schadstoffbelastung bei.

Und dann ist da noch die Sache mit den Schweinen: Für bodenbrütende Vögel unbewohnbar, ist ein Maisschlag für Wildschweine das Paradies auf Erden. Sie vermehren sich fröhlich. Sie fressen dem Bauern/Energieproduzent den Mais weg, und der Jäger kann sie nicht sehen.

Mal ehrlich: Wollen Sie an einem Maisfeld wohnen????

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