Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

"Wer zu spät kommt ..."

08.10.2019, Dr. Hans Bomke, Schwerin

Seit den Feiern zum 40. DDR-Jahrestag wird der Ausspruch »Wer zu spät kommt, den be­straft das Leben« zitiert, angeblich vom sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow an den Staatsrats- und SED-Parteichef Honecker gerichtet. Diese Formulierung stammt jedoch vom sowjetischen Pressesprecher Gerassimow und galt insbesondere der Sowjetunion selbst. Gorbatschow hat dies später so bestätigt, dessen notwendige Reformen dilettantisch angelegt und zu spät gekommen waren. Von ihm erwarteten Demonstranten am 7. Oktober 1989 mit dem Ruf »Gorbi, hilf uns« Hilfe. Er trug nicht nur zum Zerfall der Sowjetunion bei, also seines eigenen Landes. Er »half« auch, Honecker ins Gefängnis zu bringen. Kurz vor der Auflösung der UdSSR teilte die Sowjetregierung Honecker mit, dass sie dem Auslieferungsbegehren der BRD-Regierung nachkommt. Gemäß ultimativer Aufforderung durch den russischen Justizminister Nikolai Fjodorow hatte Honecker bis zum 13.12.1991 das russische Staatsgebiet zu verlassen, wo er Schutz gesucht hatte im Glauben, unter »Klassenbrüdern« zu sein. Diese stempelten ihn gesundheitlich zum Simulanten. Deutsche Ärzte vom Haftkrankenhaus Moabit bestätigten jedoch Honeckers Leberkrebs. An dieser schweren Erkrankung starb er am 29.5.1994 in Santiago de Chile.

Dr. Hans Bomke, Schwerin

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