Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Wer mit dem Teufel tanzt

13.04.2016, Karl-Heinz Fehrmann, Schwerin

Wenn man sich in der sich zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen dem Satiriker Böhmermann und dem türkischen Staatschef Erdogan auf den Ausspruch Kurt Tucholsky beruft, dass Satire alles dürfe, dann muss man aber sagen, dass Tucholsky das auf das politische Kabarett bezogen verstanden wissen wollte. Was aber heute von sogenannten Comediens auf die Bühne gebracht wird, das hat mit politischem Kabarett überhaupt nichts zu tun.

Meistens ist das reines Gequatsche, das, so mehr es unter die Gürtellinie geht, den meisten Beifall erntet. So ist für mich auch die Sache Böhmermann zu werten. Ich bin durchaus kein Freund Erdogans, weil er eine Politik der gespaltenen Zunge und eine wesentliche Ursache dafür ist, dass der Konflikt um Syrien immer weiter eskaliert, aber deshalb würde es mir nie einfallen, ihn in einer derartigen primitiven Art und Weise, persönlich zu beleidigen. Es hat nichts mit Satire, und schon gar nichts mit Anstand zu tun, wenn man einen Menschen öffentlich als »Ziegenficker« bezeichnet.

Auf der anderen Seite wird deutlich, auf was sich die Kanzlerin mit ihrem Türkei-Deal eingelassen hat. Sie ist von vielen Seiten immer wieder davor gewarnt worden. Um nicht eigene Fehler eingestehen zu müssen, hat sie Erdogan und die Türkei hofiert und sich damit erpressbar gemacht. Erdogan weiß ganz genau, dass Deutschland und die EU auf die Türkei angewiesen sind und nutzt nun gnadenlos die Chance, seine Macht in Europa zu stärken. Man könnte das ganze als eine Episode abtuen, wenn da nicht die Befürchtung wäre, dass das erst der Anfang davon wäre, dass das politische Klima in Deutschland durch die Einflussnahme der Türkei bestimmt wird. Bekanntermaßen steht die Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken auf der Seite Erdogans. Wenn dieses unnötige Gedicht Böhmermanns nun zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit und antitürkischen Verbrechen hochstilisiert wird, dann steht die Gefahr im Raum, dass wir es mit Gewalt und Terror mitten in Deutschland zu tun bekommen.

Karl-Heinz Fehrmann, Schwerin

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