Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Wer die Wahl hat ...

26.08.2011, Gerd Albrecht

Wer die Wahl hat, hat die Qual:

Vorpommern-Rügen oder Ostseekreis Stralsund?

Als zukünftige Klammer für die drei Altkreise (NVP, RÜG und HST) erscheint der gewachsene historische Regionalname Vorpommern als die beständigste Variante. Über 90 Prozent des Territoriums des zukünftigen Großkreises sind durch pommersche Geschichte geprägt. Schon aus diesem Grund erscheint die Verwendung von Vorpommern im neuen Kreisnamen als wünschenswert. Gerade dann, wenn regionale Identität ernst genommen werden soll.

Die geographische Übereinstimmung des einstigen Fürstentums Rügen mit dem neuen Landkreis »Vorpommern–Rügen« hat in weiten Teilen einheitliche Geschichtslinien, die auch die zukünftige erfolgreiche Entwicklung des Großkreises befördern werden.

Eine Namensgebung mit Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald für die beiden vorpommerschen Kreise würde der gesamteuropäischen Region Pommern Rechnung tragen. Ebenso wird eindrucksvoll der Landesverfassung entsprochen, die ja zwei gleichberechtigte Landesteile Mecklenburg und Vorpommern postuliert.

Der Namensvorschlag Vorpommern-Rügen erfordert vom ehemals mecklenburgischen Teilstück des zukünftigen Landkreises eine gewisse selbstbewusste Toleranz. In Respekt vor der eigenständigen Geschichte der Gebiete westlich der Recknitz, wird deren eigene Identität auch zukünftig im Großkreis Vorpommern-Rügen die entsprechende Wertschätzung finden. Denn die gemeinsame erfolgreiche Entwicklung der letzten 20 Jahre ist zu loben – insbesondere auch in den mecklenburgischen Gebieten um Ribnitz und Marlow.

Es ist zu bedenken, dass mit dem Namensteil Vorpommern der zukünftige Landkreis fest im baltischen europäischen Raum verortet ist. Vorpommern ist seit mehr als 1000 Jahren ein wesentliches Glied der Ostsee-Familie. Diesen historisch gewachsenen und bedeutsamen Regionalnamen gegen einen allgemein gültigeren »Ostseekreis Stralsund« zu tauschen, wird eher zu Verwirrungen führen müssen. Ein »Ostseekreis« kann überall zwischen Kiel, Stockholm und Kaliningrad (Königsberg) gelegen sein. Wir würden beim Verzicht auf den Namensbestandteil Vorpommern ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal verlieren.

Noch schwerwiegender erscheint der Kultur- und Traditionsverlust für den größten Teil des Kreisgebietes.

Im Europa der Regionen sollten wir die Regionen auch beim Namen nennen – und wir leben in der Region Vorpommern.

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