Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Wenn, dann drei

13.04.2012, Karl-Heinz Niemann, Boizenburg
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Sie mögen Herrn Gauck nicht?"
im Schweriner Blitz vom 08.04.2012

Man sieht es immer mit eigenen Augen. Als ich zehn Jahre alt war, musste ich mich der Bewegung der Deutschen Jugend anschließen. Das hieß wöchentlich einmal zum sechs Kilometer entfernten Treffpunkt zu laufen, um dort mit den prosaischen Daten des »Führers« und dergleichen im schon vier Jahre währenden großen Krieges vollgepumpt zu werden. Auch ich war begeistert, bis eines Tages unser Ausbilder meinen Nachbarn ohne ersichtlichen Grund zusammenschlug. Dann kam das Kriegsende und mit ihm unter der sowjetischen Besatzungsmacht die Befreiung und die Chance, in der FDJ alles besser zu machen. Ein neues Leben sollte beginnen.

Die Vorspiegelung, alle Menschen sind gleich, der Aufbau des Kommunismus über den Sozialismus bis zu: Jeder sollte nach seinen Bedürfnissen leben können, war vielversprechend. Dass alles anders kam und wir nicht so leben konnten, haben wir doch nur der sturen Haltung der damaligen Politiker unter Mithilfe der Westmächte zu verdanken.

Wir sind heute doch nur so frei, wie wir uns fühlen. Und sollten wir 20 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch den damaligen Versprechungen des Herrn Bundeskanzlers Glauben schenken, hätten wir den längst verloren, wobei wir wissen, dass der Staat immer noch das Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse ist.

Und Sie mögen Herrn Gauck nicht? Unsern heutigen nicht geschiedenen, moralisch in wilder Ehe lebenden Bundespräsidenten, der Deutschlands Ehre wieder herstellen will?

Hauptsache, er rechnet die Diktatur der Konzerne zu den anderen hinzu.

 

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