Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Wem gehört Palästina?

07.12.2017, Ulf-Harry Kugelmann, Neuwied/Rh.

Es gibt keine internationale Konvention, die den Besitzstand an Grund und Boden rechtlich klärte. Es gibt kein Recht eines Volkes auf ein Land, es sei denn den humanen Respekt, der dem anderen gebietet, ihm das Land zu lassen, in dem es wohnt. In Palästina dürfte es nicht einfach sein, auch nur die Zahl der Völker zu bestimmen, die hier einmal lebten, untergingen, in der einheimischen Bevölkerung aufgingen, aus- bzw. einwanderten. Wo blieben die Philister? Wo die Phönizier, Ägypter, Assyrer, Babylonier? Die römischen Pensionäre und Veteranen sowie die byzantinischen Verwaltungsbeamte? Die Perser, Meder und Elamiter, die sich zu Pfingsten in Jerusalem aufhielten? Wo die Kreuzritter, deren Staaten nach zweihundert Jahren ihr Ende fanden? Es gibt keinen Volksstamm, der in diesem Land noch abzugrenzen wäre. Es ist alles orientalisch, angereichert mit Einflüssen aus Europa, Afrika, Asien. Die Amoriter oder Kanaanäer, die vor Israel schon im zweiten Jahrtausend vor Chr. dort lebten, sind ebenso in den Arabern aufgegangen wie in den Juden. Dreiviertel der Bevölkerung des Königreiches Juda ging 721 vor Chr. verloren. Von Sanherib nach Assyrien deportiert. Sie leben in den Irakis, Kurden oder den Syrern, vielleicht sogar in den Türken weiter. Ab wann erlischt der Anspruch auf das eigene Haus? Ab wann sind im neubesetzten Land geborene Kinder mit einem neuen Heimatrecht ausgestattet? Es gibt keinen international gültigen Maßstab. Und kein Gericht wird glaubwürdig entscheiden können, wem denn nun das Haus wirklich gehört, in dem der junge Schreiner geboren wurde.

 

 

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.