Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

"Weiß" ist die Farbe der Unschuld!

07.11.2014, Hartwig Niemann, Rostock

Man sollte sehr behutsam mit dem Begriff der politischen Willkür „Unrechtsstaat“ umgehen.

Die gegenwärtig laufende Campagne über „DDR Unrecht“ in den Begriff „Unrechtsstaat“ einzuordnen ist völkerrechtlich nicht akzeptabel. Die DDR war kein „Unrechtsstaat“ und die BRD ist ebenfalls kein „Unrechtsstaat“. Diesen Begriff gibt es de jure im Völkerrecht nicht.

Die untergegangene DDR war ein Staat in dem der Begriff „Diktatur des Proletariats“ zur Handlungsfähigkeit wurde. Dem hatten sich die Blockparteien unterzuordnen. Das wurde nie verschwiegen. Diese Bedeutung war auch den Staaten, die mit der DDR diplomatische Beziehungen pflegten, bekannt.

Der Begriff „Diktatur des Proletariats" konnte in keinerlei Beziehung gleichgesetzt werden mit dem Begriff „Demokratie“. Daran besteht keinerlei Zweifel. Eine „Diktatur „ kann nie eine „Demokratie“ sein. Die Bezugspunkte zwischen diesen beiden Begriffen führte eindeutig zum Untergang der DDR, weil die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Ost und West nach dem Zweiten Weltkrieg eine Besonderheit darstellten, die es in keinem anderen Land gab. Durch den Mauerbau wurde diese Besonderheit weiter strapaziert.

Die DDR-Führung begrüßte den in Abstimmung zwischen Chruschtschow und Kennedy eingebrachten Vorschlag zum Mauerbau der mit der Hoffnung verbunden wurde, mehr wirtschaftliche Stabilität in der DDR zu erreichen. Das war ein Trugschluss. Die Gräben zwischen Ost und West wurden durch die „Mauertoten“ zum Fiasko.

Annäherungsversuche zwischen der DDR und der BRD wurden immer wieder von den Siegermächten USA und der Sowjetunion torpediert. Diese beiden Siegermächte tragen die Hauptschuld am „Mauerbau“.

„Unrecht" gegenüber Andersdenkenden gab es in beiden deutschen Staaten und nicht nur in der DDR. Ich erinnere nur an die Berufsverbote in der BRD. „So überschattete der Streit um die "Berufsverbote" die Regierungszeit der sozialliberalen Koalition bis 1982. Bis Ende der achtziger Jahre mussten sich 3,5 Millionen Bewerber für den öffentlichen Dienst auf ihre Gesinnung überprüfen lassen, rund 10.000 "Berufsverbote" wurden ausgesprochen.“

Freuen wir uns darüber, dass diese „Mauer“ aus Stahl und Beton weg ist.

Die „geistige Mauer“ in den Köpfen ehemaliger „kalter Krieger“ nimmt gegenwärtig jedoch Formen an, die für mich als ehemaliger DDR - Bürger immer unerträglicher werden, weil viele Formulierungen miteinander vermischt werden und im Ergebnis immer nur zu der einseitigen Tatsache führen, das die DDR an allem Schuld war.

Vielleicht liegt diese einseitige Schuldzuweisung auch darin begründet, weil wir als ehemalige DDR Bürger erst jetzt so richtig in den Genuss kommen unsere Wäsche ebenfalls mit dem „Weißen Riesen“ (weiß ist die Farbe der Unschuld) zu waschen. Hört endlich auf mit diesem sinnlosen Palaver und denkt an die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.

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