Mecklenburger Blitz Verlag

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Weihnachten und Toleranz

27.12.2017, Dr. Hans Bomke, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Weihnachtsgedanken"
im Schweriner Blitz vom 27.12.2017

Zu »Weihnachtsgedanken«, vom 17. Dezember.

»Wir rücken zusammen« – gerade in der Weihnachtszeit ein edler Wunsch. Dazu wäre es wünschenswert, dass mit der Verächtlichmachung einer uns fremden Religion endlich aufgehört wird, meine ich, auch oder gerade zu Weihnachten. Respekt vor Lebensgewohnheiten vertriebener, ausgebombter Menschen – auch das ist eine Form des Anstandes. Eine gelungene Integration setzt Interesse von beiden Seiten voraus. Diejenigen, die eine Reformierung des Islam fordern, scheinen nicht zu wissen, dass diese bereits im Mittelalter durch die Lehre des Philosophen und Juristen Averroes (die Vernunft als wichtigstes Werkzeug zum Glauben) erfolgt war. Die deutsche Aufklärung hatte großen Respekt vor dieser Religion. So schlug Goethe das Lutherjahr 1817 vor als: »Ein Fest der reinsten Humanität, an dem nicht etwa nur Christen, sondern auch Juden, Mohametaner und Heiden Anteil haben sollten.« Die berühmte Ringparabel in Lessings »Nathan« lehrt, dass es keine bevorzugte Religion geben kann. Und Schillers Distichon von 1801 sei abschließend erwähnt: »Welche Religion ich bekenne? Keine von allen, die du mir nennst! – Und warum keine? – Aus Religion.«

Dr. Hans Bomke, Schwerin

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