Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Was wirklich zählt-Plädoyer für eine offene Gesellschaft

30.07.2018, Rudolf Hubert, Schwerin

Was wirklich zählt – Plädoyer für eine offene Gesellschaft

Angesichts vieler Fragen und Problemstellungen drängt sich mir eine Frage immer mehr auf: Was geben wir an unsere Kinder und Enkel weiter? Was zählt im Leben angesichts von Verschwörungstheorien, von völkischem und rassistischem Gedankengut und von nostalgischem Rückblick auf die DDR? Eine ehrliche Analyse kann rasch erkennen, dass hinter allem oft Neidkomplexe stehen und die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“. Viel zu nah (und deshalb so gefährlich!) ist dann der Ruf nach dem „Führer“ oder der „führenden Partei“. In Summa: Hinter vielen gesellschaftlichen Phänomenen stehen heute oft Unfähigkeit und Unwille, zu erkennen und zu akzeptieren, dass wir in einer unüberschaubar komplexen Welt leben. Dass dies oft zu Überforderungen führen kann, ist unbestritten. Ebenso unbestritten allerdings ist auch der Unsinn, der mit dem „Mythos der einfachen Rezepte“ suggeriert wird. Warum? Weil es keine einfachen Lösungen in einer komplexen Welt geben kann! Die vielfältigen und unterschiedlichen Interessen müssen in aufwendigen Aushandlungsprozessen um einen möglichst gerechten Ausgleich ringen. Das geht nur in einer offenen Gesellschaft, die auf Menschenwürde, auf dem Willen zur Gerechtigkeit, zur Fairness und Wahrheit aufruht. Und diese Tugenden sind es, die das Leben in einer offenen Gesellschaft lebenswert machen. Sie sind es auch, die wir – um des Lebens willen – an Kinder und Enkel weiter zu geben haben. Es ist grober Unfug, zu behaupten, das Leben in einer offenen Gesellschaft ist einfach. Aber es ist schön, es ist spannend – und es nimmt den Menschen ernst, weil es Chancengerechtigkeit ermöglicht. ‚Alternativ‘ wären nur der „Führerstaat“ oder der „vormundschaftliche Staat“, dessen Überwachungskapazität durch heutige technische Möglichkeiten fast unbegrenzt sein dürften. Darum wird es auch nicht schwerfallen, sich diese ‚Alternativen‘ vorzustellen, deren auffälligste Merkmale Arroganz, Zynismus und Ironie sind. Und deshalb gehört auch ein unvoreingenommener Blick in die Geschichte zu den spannenden Aspekten des Lebens, über die wir mit Kindern und Enkeln immer wieder das Gespräch suchen sollten.

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.