Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Was Hoffnung vermag

02.03.2019, Rudolf Hubert, Schwerin

Abgesehen von wenigen Ausnahmen freue ich mich über den fairen Umgang im Leserbriefforum des "Blitz". Das ist keine Selbstverständlichkeit. Äußern möchte ich mich heute zum wiederholten Male zu einer viel diskutierten Frage in diesem Forum. Es gab bisweilen großes Lob für die Fähigkeit, auf Grund der Kenntnis gesellschaftlicher Entwicklungsgesetze, die nur 'richtig' vom "Klassenstandpunkt" aus bewertet werden können, entsprechende politische Schlussfolgerungen zu ziehen. Ich lasse dies einstweilen so stehen, wurde es doch in der DDR-Schule hinreichend vermittelt. Dann gab es einen Autor, der von "religiösen Fanatikern" schrieb. In diesem Zusammenhang fiel auch mein Name, leider verstümmelt, weil ich nicht Huber, sondern Hubert heiße. Schade nur, dass in diesem Zusammenhang der Autor jegliche begriffliche Bestimmung von "religiös" vermissen ließ. So kann man nur spekulieren darüber, was der Autor darunter versteht. Wenn er das darunter versteht, was offiziell in der DDR darüber gelehrt wurde, lohnt kaum eine wirkliche Diskussion. Dieses Zerrbild war dann doch zu dürftig! Ich staune dann allerdings, wie manch' Leserbriefschreiber das alles so zusammenbekommt: Die Gewissheit über die Höherentwicklung der Menschheit nach "objektiven Gesetzmäßigkeiten" und die materialistische Grundlage dieses Weltbildes. (Dialektischer und historischer Materialismus) Wozu dies (nur) führen kann, haben zwei Theologen beschrieben, deren Meinung ich mich nur anschließen kann: "Man kann sich einbilden, für die Menschenwürde eintreten zu können, ohne an Gottes Person zu glauben, ja gerade dadurch, dass man sie leugnet. Die Logik der Geschichte aber wird die so verabsolutierten Personen doch wieder existentialistisch oder kollektivistisch nivellieren. Zu Futter für Kanonen und Experimente, zu Dünger für die Evolution." (Hans Urs von Balthasar) Und dem Menschen, der dem Materialismus als Doktrin anhängt, schreibt Karl Rahner 'in' s Stammbuch', dass er "die innerweltlich erlösende Zukunft der Vollendung noch erleben" (will), er muss sie darum herbeizwingen, er muss die Menschen, die diese Zukunft hindern, hassen, er ist notwendig ungeduldig." Die Gegenwart ist ihm nur das "Rohmaterial der Zukunft."Darum ist er auch "der Fanatiker der Pläne und Programme, er muss ihnen die Gegenwart und ihre Menschen opfern." Über Religion lässt sich trefflich streiten, auch in gesellschaftspolitischer und geschichtlicher Hinsicht. Denn auch die "historische Mission der Arbeiterklasse" - worin besteht ihr Sinn und ihr Ziel in einer kosmischen Evolution von Unendlich zu Unendlich und läuft nicht die Relevanz des Einzelnen angesichts dieser Dimensionen auf den 'Grenzwert' 0 zu? Ich stehe nicht an, zu erkennen, dass hinter vielen ehrlichen Bemühungen vielleicht doch mehr steckt, als was eine materialistische Doktrin herzugeben vermag. Vielleicht lohnt ein Diskurs über den Begriff Hoffnung und worauf diese sich bezieht bzw. woraus sie Kraft und Sinn schöpft. Vielleicht kann sich so auch eine Verständigung darüber ergeben, was das Wort "religiös" bedeutet bzw. bedeuten kann.

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.