Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Was hat der Brexit mit Island zu tun?

29.06.2016, Uwe Habermann, Pastow

Großbritannien hat gewählt. Es zeigt Brüssel die rote Karte. Die »Qualitätsmedien« überschlagen sich. Cameron hätte das Referendum nicht abhalten dürfen. Klar, wenn es um Mitbestimmung geht, soll der Bürger mal schön außen vor bleiben. Und man versteht warum Elemente direkter Demokratie wie z.B. in der Schweiz zu fürchten sind, wie der Teufel das Weihwasser. Sie sind im Grundgesetz nicht vorgesehen. Und da das Grundgesetz so bewährt ist, sollte es natürlich auch nicht geändert werden. Und eine Verfassung wollen wir dem deutschen Volk lieber auch nicht geben. Wer weiß was dann passierten würde. Nun aber die haben Briten gezeigt, dass sie eine lebendige, funktionierende Demokratie haben. Es gibt sie also noch. Da war der Grexit wohl doch nicht alternativlos, und die Bankenrettung und …und … und … Warum stellen sich die so genannten Eliten in Brüssel und Berlin nicht einfach die Frage, warum die EU in jetziger Form eigentlich für viele Menschen (und nicht nur im Vereinigten Königreich) so unattraktiv ist. Weil sie die Antwort vielleicht kennen? »Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf« war vor einigen Jahren von einem unbelehrbaren Staatslenker zu hören. Kurze Zeit später war das Volk und der Staat weg. Mir kommt die Reaktion in Brüssel und Berlin vor, wie das Endstadium der DDR. Wir halten Kurs, auch wenn der Eisberg schon lange in Sicht ist und natürlich werden die Briten schon sehen was sie davon haben. Strafe muss sein. Kein Innehalten, kein Nachdenken, keine Selbstkritik. Und was hat das eigentlich mit Island zu tun. Die Fußballer dieses kleinen Landes haben gezeigt worauf es ankommt. »Wir spielen für unser Land, für unsere Freunde« war zu lesen. Wir Wikinger fürchten nichts. Diese Überzeugung ist mit keinem Geld der Welt zu kaufen. Stolz auf die eigene Nation, Kameradschaft und Kampf für die eigene Überzeugung, das sind die wirklichen Werte, die Menschen über sich hinauswachsen lassen. Diese Kraft hätten die Brüsseler Eliten entfesseln müssen für das Projekt Europa. Stattdessen wird die Bevölkerung aus Entscheidungsprozessen herausgehalten und der Glaube zementiert, alle Probleme mit Geld lösen zu können. Alles alternativlos natürlich. Willkommen auf der Titanic. Wenn es einen Fußballgott gibt, bitte ich ihn, Island Europameister werden zu lassen. Die Fußballer Islands haben gezeigt, dass die eigene Überzeugung dem großen Geld im Fußballgeschäft überlegen ist. Island ist eine große Nation, wenn sie solche Menschen hervorbringt.

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