Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Was gilt die Arbeitskraft?

29.12.2017, Mario Schmidt

Was gilt die deutsche Arbeitskraft im eigenen Lande? Wenn man die Handlungsweise des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verfolgt, nicht sehr viel bis gar nichts. Oder wie soll man folgende Entscheidung verstehen: Eine sehr gute Bekannte hat Fremdsprachen erlernt, vermittelt diese und die deutsche Sprache als Fremdsprache seit mehr als 20 Jahren, seit 17 Jahren freiberuflich und das auch noch mit Erfolg. Damit ist 2018 Schluss, da das BAMF auf eine Zusatzqualifizierung für Integrationskurse pocht. Ohne? Keine Arbeit. Dem BAMF ist es egal, ob alle bei ihr Lernenden, die wollten und den Intellekt besaßen, den Integrationskurs mit dem geforderten Level B1 abgeschlossen haben, alle Teilnehmer, die wollten, aber etwas länger als sechs Monate brauchten, A2 erhielten und im zweiten Anlauf B1 erreichten. Bei den Teilnehmern, die nicht wollten bzw. nicht konnten, wird auch das ihr fehlende Zertifikat nichts ausrichten. Was will das BAMF überhaupt mit seiner Arbeit? Soll den Flüchtlingen Deutsch beigebracht werden, damit sie sich hier leichter integrieren können oder will es den diversen Instituten, darunter einem deutschen Dichterinstitut, nur deren Existenzberechtigung sichern, indem es fähige Dozenten zwingt, irgendwelche Studien zu absolvieren? Mit deren Inhalt die Lehrenden wohlgemerkt während der sechs Monate Integrationskurs herzlich wenig anfangen können, da ihnen für diese Spielereien die Zeit fehlt. Die Zeit für sechs Bücher von A1 bis B1 ist sowieso schon knapp genug und nicht selten muss man sich entscheiden, ob man den Teilnehmern Deutsch beibringen soll oder die sechs Bücher durchackern, wie vom BAMF gefordert wird. Meine Bekannte hat nichts gegen eine Weiterbildung oder ein Studium. Doch sollte der Inhalt für alle Studierenden neu sein und nicht bereits Arbeitsinhalte widerkäuen, die seit 20 Jahren unterrichtet werden. Wir alle kennen Pädagogen, die einen Abschluss als Lehrer haben, den Schülern aber nichts beibringen können. Deutschland ist das einzige Land, das auf Zertifikaten und Zeugnisse besteht. Ohne bleibt meist nur der Weg ins Ausland. Mir erschließt sich nicht, warum meine Bekannte plötzlich die Fähigkeit nicht mehr haben soll, zu unterrichten. Ihr Können verschwindet nicht mit dem 31.12.2017. Mal ganz abgesehen davon, dass das Weiterbildungsinstitut, an dem sie gearbeitet hat, nun Schwierigkeiten hat, den von ihr begonnenen Kurs zu Ende zu führen, denn das darf sie auch nicht mehr. Wie das BAMF mit solcher Handlungsweise, die sicherlich nicht nur meine Bekannte trifft, die Wartezeiten auf einen Deutschkurs von 6 Wochen erreichen will (momentan fast die doppelte Wartezeit), ist mir dabei ein Rätsel.

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