Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Was bleibt von unserem Grün

03.04.2019, Elke Block, Rostock

Fast 300 gesunde Bäume in der Thierfelder Straße, fast 100 gesunde Bäume am Rosengarten. Unsere Stadt verarmt immer mehr an Grün, natürlicher Vielfalt und wunderschönen Bäumen.

Statt die unbenutzte Grünfläche am Rosengarten diesem Park zuzuführen, den Garten zu vergrößern, die Fläche dem Garten floristisch anzupassen und uns Rostockern einen größeren schönen Park zu übergeben, wird betoniert und zugebaut. Anstatt maßvoll – der natürlichenn Umgebung angepaßt - zu bauen, prahlt die WG Schifffahrt-Hafen mit protzigen, breiten Wohnkomplexen. Aus dem einst wundervollen, nach vielen Seiten hin offenen, großzügigen Rosengarten wird ein unscheinbarer Grünstreifen, dominiert von den später hingestellten wuchtigen Wohnbauklötzen. Und der Charakter dieses einst freien Gartens ist für immer zerstört, weil ein Park ohne Bäume kein Park mehr ist. So, wie aus einem wunderschönen Fluß am Ende nur ein Rinnsal bleibt.

Die Damen und Herren des Grünamtes sind schon derart arrogant, daß sie sich immer öfter einfach freikaufen. Sie pflanzen irgendwo im Nirgendwo ein paar Bäume und glauben, dieses rechtfertigt ihren Vandalismus an unseren städtischen Bäumen. Und auch Herr Blank von der WG glaubt, mit der Neupflanzung von 90 Bäumen hätte er sich sein persönliches Recht erkauft, alles zu fällen, was ihm im Wege steht. Natürlich werden diese 90 Bäume auch irgendwo im Nirgendwo landen. Doch das hilft unerem Rosengarten nicht mehr. Denn dort – wie auch an vielen anderen einst so grünen Orten, ist kein Platz mehr für die alten Bäume. Das Grünamt sollte die Aufgabe haben, Bauwillige zu verpflichten, den bestehenden Baumbestand in die neue Bebauung mit einzuplanen und zu integrieren, damit so viel wie möglich erhalten bleibt. Stattdessen fragt das Grünamt nur, wie viele Fällgenehmigungen hätte man denn gerne. Es geht nur ums schnelle und billige Bauen.

 

Die Fällungen durch das Grünamt sind massenhaft. Und oft heimlich beschlossen, jedesmal mit anderen absurden Ausreden. Stichtag 28.2. Vogelbrutschutzzeit. Doch hier zeigt sich das Desaster vom Grünamt. Denn gerade, wenn die Vögel geschützt brüten sollen, dort, wo sie seit Jahrzehnten immer schon ihre Nester bauten, gerade dort gibt es nichts mehr zu brüten. Denn da sind alle Bäume weg. Und es werden auch keine neuen mehr kommen. Das Grünamt hat großmäulig betont, daß an der Thierfelder Str. eine kleine grüne Freifläche bleiben wird. Wir wissen doch alle, wie dieses aussehen wird, eine kleine trostlose Wiese, billig,naturarm. Vielleicht hier und da minderwertige 08/15-Sträucher, der eine oder ander neue Baum. Doch das kann die maßlose Zerstörung von fast 300 gesunden Bäumen in keinster Weise wieder gutmachen.

 

Vielleicht sollte man den Vögeln erklären, sich alle außerhalb der Stadt zu treffen. In der Nähe von Alt-Bartelsdorf gibt es neue Bäume. Die gefiederten Freunde müssen nur noch 20 Jahre warten, bis dann normal große Bäume zum Brüten dort stehen. Aber unsere Vögel werden dann nicht mehr da sein, denn die Meisen, Finken, Spatzen usw. haben nicht soviel Zeit zu warten, um zu brüten. Auch für die Eichhörnchen wird es eng. Rostock ist keine Stadt mehr für unsere heimische Tierwelt.

Millionen Zugvögel werden im Mittelmeerraum gefangen, getötet, kommen nicht mehr zurück. Und unser Grünamt hat nichts besseres zu tun, als den Heimkehrern und den heimischen Vögeln einen Lebensraum nach dem anderen zu nehmen. Aber es sind unsere Bäume, unser Grün, Eigentum aller Rostocker. Nicht das Eigentum geld- und profitgieriger einzelner Leute. Wir sollten über unser Grün bestimmen.

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