Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Was bleibt vom Mythos übrig?

25.01.2017, Wolfgang Mengel, Stralsund

Wie viel Realität steckt eigentlich hinter dem Namen oder der Person Klaus Störtebeker? Um diese Frage zu klären, lud die Seniorenakademie 55 plus Stralsund den Historiker Christian Peplow von der Uni Kiel ein, und ein total voller Rathaussaal war sehr gespannt auf die Beantwortung dieser Frage. Der Name Nicolaus Störtebeker taucht im Verfestungsbuch von Wismar auf. 1401 soll er bei Helgoland aufgespürt und angeblich am 21.10.1401 auf dem Hamburger Gasbrook hingerichtet worden sein. Ob das stimmt, ist fraglich, auch ein dort gefundener und ihm zugeordneter Schädel kann das nicht beantworten. Die in der Legende ihm zugedachte „kopflose“ Rettung von Mithäftlingen entbehrt außerdem jeglicher medizinischen Grundlage. Desweiteren agiert ein mehrfach in den Quellen erwähnter Johan Störtebeker, seines Zeichens wohl Danziger Kaufmann, durch diese Zeit, der aber in dieser Eigenschaft wegen Missachtung von Handelssperren preußischer Städte gegenüber England (etwa 1405) zu einer Geldstrafe verurteilt, aber nicht 1401 geköpft wurde. Das Hauptproblem ist also, ob der Hingerichtete der Piratenkäpitän Störtebeker war. Ungeachtet dieser historisch nicht exakt zu belegenden Vorgänge lebt aber in der Bevölkerung der Mythos über den Helden Klaus Störtebeker, weil hier das Auflehnen gegen eine Gesellschaftsordnung, Bürger gegen Obrigkeit, sichtbar wird. „Die Volkssage ist der typische Versuch, sich an Mythen entlang zu hangeln, das gibt Festigkeit“ (Chr. Peplow). Und aus diesem Grund wird der Gedanke an Klaus Störtebeker in den verschiedensten Genres der Kunst (bei uns hier besonders die Festspiele auf Rügen mit einem Störtibier) wach gehalten. Die Zuhörer bedankten sich mit großem Applaus für die hochinteressanten Ausführungen des Referenten.

 

 

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