Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Warum das so ist

22.07.2015, Rudolf Hubert, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Religion ist Ansichtssache"
im Schweriner Blitz vom 22.07.2015

Zu: »Religion ist Ansichtssache«, BLITZ, 12. Juli, Seite 2.

Man kann der Redaktion des Sonntags-Blitzes doch nur dankbar dafür sein, dass sie Themen zu Wort kommen lässt, die den sprichwörtlichen »Tellerrand« überschreiten. Dazu gehört auch das Thema Religion. Auch wenn mir zu viel des »Lobes« angetragen wurde, denn ich konnte und kann unmöglich auf alle Fragen eingehen, so sei mir doch eine Bemerkung erlaubt: Religionskritik, die für sich in Anspruch nimmt, wissenschaftlich zu sein, muss zunächst den Wissenschaftsbegriff für sich geklärt haben. Ansonsten gleitet sie ab in bloße Behauptungsrhetorik. Und der Hinweis, dass jeder doch glauben solle, was er möchte, mag zwar auf den ersten Blick verfangen. Doch man stelle sich nur einmal vor, jemand würde politisch oder »wissenschaftlich« eine derartige Position vertreten?! Ich kann jenen »Religionskritikern«, die froh wären, wenn die Religion sich ausschließlich auf den Privatbereich bezieht, nur mit Eugen Drewermann jene Frage vorlegen, die in der Tat wirklich jeder für sich beantworten muss, denn auch ein Achselzucken ist (darauf) eine Antwort: »Wie nötig wäre Religion! Wer, wenn nicht sie, könnte dem Menschen sagen, dass sie mehr sind als Übergangsgebilde im Stoffwechselhaushalt der Natur, dass sie zu schade sind, um sich als Konsumenten und als Produzenten im Wirtschaftskreislauf dubioser Kapitalverwerter zu verschleißen?« Und: »Rein ›naturwissenschaftlich‹ zeigt sich das Dasein unbezweifelbar so: Wir kommen aus dem Nichts, und wir gehen ins Nichts, und was dazwischen liegt, unser Leben, dient einzig dem Zweck, Leben weiter zu geben. Das Nichts, das wir sind, gibt sich den Anschein, etwas zu sein. Das ist alles. Es ist gar nichts, - der mutwillige Versuch einer Selbsttäuschung.« Wie jemand angesichts dieses »wissenschaftlichen« Befundes (besser: dieser eindimensionalen Reduktion!) noch Werte wie Solidarität, Frieden, Gerechtigkeit begründen will, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Und doch leben die Menschen in der Sehnsucht nach genau diesen Werten, ohne die sie gar nicht sein können. Die Frage, die es zu beantworten gilt, ist schlicht die, warum das so ist!

Rudolf Hubert, Schwerin

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