Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Wahre Demokraten

13.04.2012, Karl-Heinz Fermann, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Sie mögen Herrn Gauck nicht?"
im Schweriner Blitz vom 08.04.2012

Das sind die »wahren Demokraten«, die aus dem Hinterhalt schießen. Anstatt der Redaktion Ratschläge zu geben, sie möge Leserbriefe mit kritischem Inhalt unterdrücken oder zensieren, sollte dieser Anonymus lieber mehr Mut beweisen und sich offen bekennen. Eigentlich sollte man auf solche Briefe gar nicht reagieren, aber ich will es trotzdem tun, damit mehr Menschen erkennen, worum es bei der Kritik an Gauck eigentlich geht.

Viele Menschen, besonders auch solche, die in der Bürgerbewegung an vorderster Stelle stehen, finden es äußerst unfair, dass sich Gauck heute in pastoralen Reden aufspielt, als sei er der Führer der Bewegung gewesen. Er mag mutige Reden gehalten haben, aber immer hinter dicken Kirchenmauern, und ist dann erst auf den Zug gesprungen, als klar war, dass ihm nichts mehr passieren konnte.

Sein jetz gezogener Vergleich von 56 Jahren Diktatur, im Osten, ist eine grobe und unzulässige Geschichtsfälschung. Man kann und darf den Faschismus und die DDR nicht gleichsetzen, wenn man nicht das Ansehen der tausenden Menschen beleidigen will, die in den KZ der Nazis für ein sozialistisches Deutschland gelitten haben und gestorben sind. Herr Gauck hat es, trotz aller Diktatur in der DDR immerhin geschafft, ein Abitur zu erlangen, Theologie zu studieren und als Pastor zu arbeiten. Was nun die Aussage im Brief angeht, Leute, die Gauck nicht mögen, hätten Angst davor, dass er ihre »dunkle Vergangenheit« enthüllen könnte, so sei

gesagt, dass es darum überhaupt nicht geht. Aber, wer wie er, den

moralischen Finger erhebt und sich anmaßt, anderen Menschen ihre Vergangenheit vorzuwerfen, der sollte sich an die eigene Nase fassen und über seine eigenen moralischen Befindlichkeiten nachdenken.

 

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