Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Vorurteile gegenüber Warnern und Gegnern

08.02.2018, Werner Neider, Wilhelmsburg

Oft fühlt man sich als betroffener Bürger von den Medien, der Windkraftanlagen nicht in seiner unmittelbaren Nähe haben will, von den Medien wie ausgegrenzt. Und fühlt sich so zynisch behandelt wie von Politik und Betreibern selbst, als Spielverderber, der das Spiel von noch mehr Konsum und Energieverbrauch nicht mitmachen will. In der Regel nehmen die meisten Anwohner nahe von Windkraftanlagen erstmal eine positive bis sich abfindende Haltung ein, bis die ersten Symptome auftraten, und das nicht allein bei Einzelnen. Weder benannt noch berücksichtigt wird oft der Infraschall, also der unhörbare Schall, der als Vibrationston die Lungen der Fledermäuse zerreißt und nachweislich bei Menschen Herzrhythmus- und Kreislaufstörungen, Depressionen und Tinnitus verursacht. Das sind keine "Pillepalle"-Beschwerden, sondern ernstzunehmende und lebensverändernde Beeinträchtigungen von zuvor gesunden Menschen. Klar spielt der Abstand bei Beschwerden kaum eine Rolle, denn der Infraschall wirkt bis zu 10 km weit, und das wurde von Wuppertaler Forschern schon seit längerem belegt. Es erscheint auch zynisch, wenn eine Betreiberfirma die betroffene Bevölkerung mit finanzieller "Beteiligung" ködern will. Beteiligung in einer Demokratie greift nur da, wo der Bürger mitentscheiden darf bis hin auch zur Ablehnung einer so starken existenziellen Beeinträchtigung! Aber man kann wohl in einem System, das den Betreiberfirmen und Lobbyanwälten der Windenergiefirmen die Prüfung der Bürgereinwendungen wie auch die Umweltverträglichkeitsprüfungen überlässt und nachlässige Naturgutachten abliefert, nicht erwarten, dass hier der betroffene Anwohner noch eine Rolle spielt. Demokratie ist doch nur da wirklich lebendig, wo der Mensch sein Recht auf körperliche Unversehrtheit zur Geltung bringen kann, wo dem Menschen mit Zukunftsweitblick das Recht zugebilligt wird, Maßnahmen abzulehnen, die die Gesundheit von Mensch und Natur auf Dauer gefährden, um dem Hunger nach noch mehr Konsum, Energie und Gewinnmaximierung dienen. Nicht selten liest man Artikel, die in einer schon viele Jahre andauernden - von Seiten der Betroffenen gut informierten und kompetenten Diskussion um dieses Thema jeden, der Bedenken oder gar Beschwerden anmeldet, mit fadenscheinig ins Feld geführten "wissenschaftlichen Erhebungen" lächerlich macht. Menschen, die sich um die Natur und die Gesundheit der Menschen sorgen, werden als Spinner hingestellt. Oft wird man auf unfaire und auch leider ziemlich altkluge Weise nicht ernst genommen, ja, dass es sich bei vielen nachgewiesenen Infraschallopfern um "eingebildete Kranke" handelt. Abgesehen davon, dass es auch Minderheitenschutz gibt - aber dafür sind wir schon zu viele, die warnend Hand und Stimme erheben, um diesem unumkehrbaren Wahnsinn der Umweltzerstörung ein Ende zu bereiten. Mich wundert zudem immer wieder, dass alle neuen Erkenntnisse, ob in Wirtschaft oder Umweltwissenschaften, die Politiker nicht erreichen und sie stur auf ihren zu erreichenden Zahlen und geringen Abständen der Anlagen bestehen. Die meisten Warner und Gegner sind mittlerweile kompetenter als mancher Befürworter und Politiker.

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