Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Von Zietz und Mozart lernen?

04.04.2019, Peter Kuhlmann, Schwerin

Seit Wochen wird in unserer Heimatstadt um den Verkauf oder die Verpachtung eines Grundstücks und einer darauf befindlichen, sagen wir es ruhig, schäbigen Kaufhalle gestritten. Musste das unbedingt jetzt, in den Wochen vor der Kommunalwahl entschieden werden? Oder hätte es nicht auch im Herbst gereicht? Nein, wohl nicht, denn man kann damit schön Wahlkampf machen. Wahlkampf. Und ich dachte, es geht um unsere Stadt. Das bin ich als ehemaliger Angestellter anderes gewohnt, dort wurden – in kleinerem Maßstab, aber auch für vier, zehn, dreißig Jahre oder die halbe Ewigkeit – Beschlüsse gefasst. Ohne aufs Parteibuch zu starren. Die Einen machen Lärm, weil man ihren demokratisch gewählten drei Stimmen nicht genug zuhört. Anderen passt das sogar, bleibt nicht genug Zeit, zu überlegen, was versprochen, was gehalten wurde. Weit über 3.ooo Unterschriften wurden gesammelt, das muss man beachten. Keine 4.000, das war die bekannte Regel – ein Bätschi gehört sich nicht! Aber 93 mal doppelt – das ist versuchter Betrug, über 2% (ich bin Mathelehrer), so ungenau darf niemand von uns arbeiten. Frau F. sagt, „die“ gehen wieder weg, werden in ihrer Heimat gebraucht. Theoretisch – korrekt. Rein praktisch: viele nicht. In Torgelow freut man sich über hundert zusätzliche Arbeitskräfte. Auf einer Terrasse bedienen mich je ein Agraringenieur, Informatiker, Krankenpfleger – gesuchte Fachkräfte, sowie die Sprache beherrscht wird. (Da denke ich als ausgebildeter Betriebswirt.) Ein Teil der Flüchtlinge ist Moslem. Wir haben Religionsfreiheit, dazu gehört auch ein angemessenes Gebäude, mit passender Gestaltung – Holztürmchen, Menora, Glocke, Kreuz. Ganze Epochen war es schick, orientalisch zu bauen. Der Dresdener Kaufmann Zeitz baute seine Tabakfabrik(! ) wie eine Moschee, die „Yenitze“ prägt mit Kathedrale und Frauenkirche das Stadtbild. Erst als die Muselmanen gegen Wien marschierten, etablierten sich Blechblasinstrumente in der Musik, wurden typisch deutsch, bei Bach, im Radetzkymarsch…. Ich habe eine klare Meinung: Ja, auch der muslimischen Gemeinde steht ein Gotteshaus zu, ein angemessenes. Nein, es muss nicht auf dem Dreesch stehen. Warum werden die Flüchtlinge immer abwechselnd für alle reich oder alle arm erklärt – das Gebetshaushaus muss zu denen? Warum denken wir nicht an unsere Stadt, an Chancen? Hat jemand den gerade wieder ausgezeichneten Architekten Ulrich Bunnemann gefragt? Aus dem Schornstein des Neuen Sudhauses hat er kein Minarett gemacht, die Kuppeldecke des Alten Sudhauses würde zu einer kleinen, aber schönen Moschee passen, Alkohol wäre – verboten. Gute Architektenarbeit durch neue Nutzung erhalten. Nachhaltigkeit – mit einem kleinen Pfiff. Die Craftbierbrauer haben sich nicht für das historische Gebäude entschieden. Meine zweite Idee kennt Herr Bunnemann seit zwei Jahren aus einem öffentlichen Gespräch zur Stadtentwicklung. Verworfen hat er sie nicht! Vielleicht vertagt man die Entscheidung vom kommenden Montag doch noch an die neugewählte Stadtvertretung? Danke, wenn Sie den Gedanken mal abwägen.

Peter Kuhlmann, Schwerin

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