Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Von wegen Demokratie … Rostocker Impressionen & Reminizenzen

06.05.2019, Werner Garlipp, Rostock

Es sind wieder mal Wahlen, u.a. auch Kommunalwahlen in Rostock! … Und, nach 14 Jahren mit Rohland Methling im Amt des OB, kann man sich nunmehr auf ein neues Gesicht dortselbst in diesem Amt freuen!

… Auch reichlich Anwärter/Interessenten gibt es schon für dieses durchaus lukrative und ganz sicher auch gut-dotierte Amt: … Sie lachen uns (Wahl-)Bürger nun schon seit Wochen von teils überlebensgroßen Plakatwänden entgegen und suggerieren, der/ die Richtige in diesem Amt zu sein!

… Welch ein enormer Aufwand, wer auch immer das alles finanziert, wenn man mal bedenkt, dass jenes, was da an Lichtmasten und Plakatwänden prangt, nach dem 26.5.19 nur noch Müll für die Tonne und teuer wieder zu entsorgen sein wird!

... „Wie einfach, überschaubar, ordentlich organisiert und durchaus auch erfolgreich und ergebnisorientiert war das doch das alles in früheren Zeiten gewesen (!), ...“ mag da der eine oder andere denken!

… Die ersten Wähler in den Lokalen wurden jeweils mit Blumen begrüßt, die Plakate waren friedliebend, auch kämpferisch zukunftsorientiert und – ganz wichtig – einfach überschaubarer und leichter zu behalten!

Wahlbeteiligungen von weit über 90 % waren da eher die Regel, denn die Ausnahme gewesen, und, unsere Sympathien und auch Wahlen galten immer den „Kandidaten der Nationalen Front“, deren Eignung und Kompetenz in Vorauswahlverfahren zuständiger Organe bereits unbestritten feststanden!

... Da konnte man ganz locker seine Kreuzchen machen, musste dazu nicht einmal eine Wahlkabine bemühen, und konnte sich relativ sicher sein, keinen gar so gravierenden Fehler begangen zu haben!

Doch nun heute und die jüngere Vergangenheit (die Liste der Rostocker OBs seit etwa 1289 ist nachzulesen bei ´wikipedia´!) ...

… Für die OB-Wahlen seit 2002 hier nur mal ein paar Zahlen, u .a. zur Wahlbeteiligung: …

Wahlbeteiligung 2002 – 45,2 %; OB Arno Pöker mit 32,2% (~ 14,6 % aller Wahlberechtigten!) gewählt; … Wahlbeteiligung 2005 – 42,7 %; OB Roland Methling m. 58,2 %(~ 24,9 % aller Wahlberechtigten!) gewählt; …

Wahlbeteiligung 2012 – 36,6 %; OB Roland Methling m. 53,8 % (~ 19,7 % aller Wahlberechtigten) gewählt; …

Das heißt also, für die wesentlichen politischen Entscheidungen der letzten sieben Jahre zeichnen weniger als 20 % aller berechtigten Wahlbürger verantwortlich! … Das dürfte in etwa jenem %-Satz zur „real-sozialistischen“ DDR-Zeit entsprechen!

... Ergo, was bringt uns also diese „Demokratie“ in Zeiten Wahl-fauler Bürger ohne genügend Demokraten:

Hauptsächlich höhere Kosten, um den Anschein der „Demokratie“ zu wahren! …

Dazu gibt es dann auch noch subtile mediale Einflussnahmen („Polit-Zirkus“) auf die noch „Wahl-Willigen“ in Sachen gewünschter Meinungsbildung von „interessierter Seite“ (in Köln heißt das „Klüngel“!).

Mediale Einflussnahmen aber, gesponsert und initiiert von wie auch immer gearteten Interessen, lassen doch auch Zweifel am „demokratischen Wahlverfahren“ (nach Lage der Dinge in HRO m.E. ein Widerspruch in sich) aufkommen!

So begrüßte mich kürzlich eine gute Bekannte mit den Worten: „Na, willst Du immer noch den Ausbeuter als OB wählen?“, ... nachdem in einer Rostocker (meinungs-)führenden Gazette mehrseitige Abhandlungen über den angeblich fragwürdigen Umgang mit den Beschäftigten vom nämlichen OB-Kandidaten kolportiert worden waren (... natürlich juristisch nicht angreifbar und von „Meinungsfreiheit“ gedeckt …)!

Die dann am Folgetag (scheinbar seriös) in gleicher Gazette abgedruckte Gegenposition(-Demo) von eben diesen Beschäftigten wurde dann seitens meiner Bekannten nur noch als: „… das waren doch nur die ´Schleimer´ …“ abgetan. … Die gezielte Wahlmanipulation hat also bei meiner Bekannten anscheinend funktioniert. … Was veranlasst mich nun in diesem Kontext von „Klüngel“ zu reden?! … Nun, ich kenne die sonstigen – wenn auch subtil argumentativ und ausgewogen formuliert – wirtschaftsfreundlichen, um nicht zu sagen "neoliberalen" Kommentare besagter Gazette (erst kürzlich zum Thema „Mieten und Grundrecht zur Enteignung") … ! Ich kaufe den Journalisten dort ihr geheucheltes Interesse an den Beschäftigten des besagten OB-Kandidaten einfach nicht ab! … Viel eher steht zu vermuten, dass besagter OB-Kandidat ein „Störenfried“ des lokalen Klüngels ist, der frühzeitig chancenlos gemacht werden soll und wobei man sich letztendlich des Wahlvolkes als Werkzeug bedienen will!

Genau diese Spielarten von „DEMOKRATIE AN SICH“ („DAS DING AN SICH“ im Kantischen Sinne) machen die Sache so schwierig und lassen „Demokratie-müde“ Bürger genervt und passiv zurück!

Es wäre erforderlich, dass sich Bürger intensiv mit den Hintergründen befassten, wenn wenn sie denn tatsächlich und wirkungsvoll ihrer Verantwortung als solcher nachkommen wollten! …

… Das aber ist in „satten Gesellschaften“, in denen tendenziell der Egoismus voranschreitet und Werte, wie z. B. „Solidarität mit den Schwachen“ (z. B. noch verkündet sonntags in Gottesdiensten) auf der Strecke bleiben, nicht wirklich zu erwarten!

… Es gab mal einen Politiker, der hatte das Wort von der „Spätrömischen Dekadenz“ geprägt! … M. E. Eine frühe Vorwegnahme heutiger Entwicklungen!

Dennoch, geht wählen Leute und macht euch vorher ein paar Gedanken dazu!

… Ich jedenfalls werde das tun!

 

Werner Garlipp

(seit 1967 in Rostock unterwegs und immer noch gefühlt „bloß zugereist“)

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.