Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Von wegen!

27.11.2017, Karin Missal, Schwerin

»Lebenshauptstadt« will Schwerin bereits sein. Das sollten wir erst mal werden wollen. Für Menschen, die hochbetagt vom Land in die Stadt ziehen, um hier der ärztlichen Grundversorgung näher zu sein, ist die Marketingkampagne allein wenig hilfreich. Wer hilft ihnen oder jüngeren Neu-Schwerinern bei der Suche nach einem neuen Hausarzt? Wer stark hörgeschädigt ist, knapp hundertjährig, und mit den Antworten am Telefon trotz Hörgerät nicht klarkommt, kann einfach nicht sämtliche Hausarztpraxen abtelefonieren. Wer kinderlos, alleinlebend und bereits pflegebedürftig ist, kann diesen Hindernislauf von Praxis zu Praxis durchs ganze Stadtgebiet weder mit dem Rollator noch bei kleiner Rente mit dem Taxi machen. Die Suche nach einem Hausarzt fällt auch nicht unter die Pflegedienstleistungen. Und die Krankenkasse verweist an die »Termin-Service-Stelle« der Kassenärztlichen Vereinigung: allein zur Vermittlung eines Facharzttermins. Dafür braucht der Patient auf der Überweisung eine extra Dringlichkeitscodierung und davor den Kassenärztlichen Notdienst? Was soll die Notfallambulanz eigentlich noch alles leisten. Bagatellerkrankungen, Routineuntersuchungen oder die Grippeschutzimpfung sind so für einen Pflegebedürftigen – trotz aller Schwerbehinderten Merkzeichen – der keine private Pflegeperson mehr findet, der erste Schritt ins Altersheim. Oder verfügt die Lebenshauptstadt bereits über so viele ehrenamtliche Betreuer, die das (!) alles auch noch mitorganisieren sollen?

Karin Missal, Schwerin

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