Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Von Stolz kann keine Rede sein

18.09.2017, Dr. H. Bomke, Schwerin

In Zeiten des Wahlkampfes forderte Anfang September der AfD-Spitzenkandidat Gauland, man sollte wieder »stolz sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen«. Diese Ungeheuerlichkeit verschlägt einem die Sprache, zumal mit dem Einzug der AfD in den nächsten Bundestag aus derzeitiger Sicht zu rechnen ist. An den Kriegsgräueltaten in Osteuropa während des letzten Krieges waren außer SS- und SD-Einheiten auch Wehrmachtssoldaten beteiligt, worüber z.B. eine bundesweit gezeigte Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht« berichtete. Der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg sprach im Strafprozess 1945/46 von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ließ deshalb die Hauptkriegsverbrecher, darunter den Chef des Wehrmachtführungsstabs im OKW, Alfred Jodl, hinrichten. Wenn von militärischen »Leistungen« geredet wird, kann die Abwehr des deutschen Aggressors vor Stalingrad 1942/43 durch die Sowjetsoldaten dazu gezählt werden und auch die Errichtung der zweiten Front durch die westlichen Alliierten in Frankreich im Juni 1944. Ich habe die endlosen Friedhöfe der gefallenen anglo-amerikanischen Soldaten gesehen. Gegen moderate Konservative hat niemand etwas, gegen geschichtsfälschende Scharfmacher sehr viel. Deutsche Soldaten wurden in zwei Weltkriegen in Raub- und Vernichtungsfeldzügen missbraucht, von »Leistungen« und Stolz auf sie kann keine Rede sein.

Dr. H. Bomke, Schwerin

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