Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ursachen für die Fluchtbewegung aus Nahost

02.06.2016, Wolfgang Mengel, Stralsund

Ursachen für die Fluchtbewegung aus Nahost

Am 24.05. um 15.30 Uhr empfingen 107 Mitglieder und Gäste der Seniorenakademie 55 plus Stralsund Herrn Prof. Dr. Rösel von der Uni Rostock zum Vortrag im Löwenschen Saal des Stralsunder Rathauses. Sein Thema widmete sich einem der brennendsten Probleme unserer Zeit, den Fluchtursachen aus Nahost. Zuvor begrüßte uns Herr Werner von der Friedrich-Ebert-Stiftung, die den Vortrag förderte. Herzlichen Dank! Er teilte uns mit, dass in M/V auf 100 Einwohner 1 Flüchtling entfällt.

Die tieferen politischen Ursachen für den „Unruhe-Herd“ Nahost liegen im Ende des 1. WK begrün-det. Frankreich und Großbritannien teilten sich den Mittleren Osten, der zu Beginn des 1. WK noch vom Ottomanischen Reich beherrscht wurde, untereinander auf. Aus dem nördlichen Teil dieses Reiches entstand 1918 die Türkei. Unter französischen Einfluss gelangten z.B. Syrien und der Libanon, zur britischen Einflusssphäre gehörten der Irak, (Trans-)Jordanien, Saudi-Arabien und andere. Alle Staaten intervenierten gegeneinander, vor allem wegen des Öls. So entstanden folgende gegenseiti -gen Konflikte dieser Länder: - Der Reichtum an Öl einerseits führte zur Verteilungsungleichheit andererseits. –Europa hängt am Öltropf – damit hat das Gebiet strategische Bedeutung. – Kleinste Konflikte zwischen den Staaten werden sofort internationalisiert und führen zu Stellvertreterkriegen der „Großen“. –Israel als Brückenkopf des Westens wird von den Arabern abgelehnt. – Seit den 50er Jahren wird der Panarabismus, das Streben nach einem politisch geeinten Arabien, verfolgt.Weitere historische Ereignisse haben die politische Situation im genannten Raum verschärft: - 1979 –Sturz des Schahs im Iran, es entstand ein Mullah-Staat mit schiitischem Fundamentalismus. – 1979 Einmarsch der ehemaligen SU in Afghanistan; der „Puffer“ zwischen dem ehemaligen Zarenreich und England-Indien wird zerstört und führt zu einem antisowjetischen Dschihad. – Die Hisbolla-Schiiten des Libanons entwickeln die „lebende Bombe“, zuerst vor allem gegen Israel. Die folgenden 30 Jahre lassen die politische Instabilität in diesem Gebiet immer größer werden, was letztlich 1991 auch (einer von vielen Gründen) zum Kollaps der SU führt – viele ihrer ehemaligen Unionsrepubliken, u.a. Aserbaidshan, werden nun offen sunnitisch. Die Fluchtursachen stellen sich wie folgt dar: - Die härtesten Auseinandersetzungen finden in Syrien statt. Ein Sturz Assads würde den physischen und historischen Tod der Alawiten (Minderheit) bedeuten, deshalb seine Grausamkeit. Mit Assad ist in Syrien kein Frieden zu erreichen (die religiöse Mehrheit wird von ihm unterdrückt). – Die Invasion der USA 2003 im Irak führte letztlich zum Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten, durch die Gegenwehr der Letzteren entstand u.a. Al Kaida. In diesen nicht endenden Auseinandersetzungen bildete sich der Islamische Staat des Iraks und der Levante als Terrorgruppe heraus. – Der Iran als autoritäres Regime, aber ohne Terror, Massaker und religiösen Bürgerkrieg, erweist sich als zukunftsträchtig. – In Afghanistan herrscht seit 30 Jahren Bürgerkrieg. Sollte die Bundeswehr das Land einmal verlassen, wird es möglicherweise wieder schlimmer werden.

Zum Thema gehörte nicht die Beantwortung der Fragen nach dem Ende des Konflikts und vor allem nach dem „Wie“ für dessen Lösung. Deutlich wurden die Ursachen dargestellt, die diese Reaktion der dortigen Bevölkerung verständlich machen durch eine Entwicklung, an der der „Westen“ nicht schuldlos ist.

Prof. Rösel gebührt ein ganz herzlicher Dank für die Darstellung dieser komplizierten Problematik, die uns die Fluchtursachen verständlich macht. Der Vortrag wurde desweiteren durch die Ehrenamtsstiftung M/V unterstützt. Herzlichen Dank!

Wolfgang Mengel, Stralsund

 

 

 

 

 

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