Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Unser Gift

27.12.2017, Brigitte Gelewski, Parchim
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Reduktion im Blick"
im Schweriner Blitz vom 27.12.2017

Zu »Reduktion im Blick«, vom 17. Dezember.

Das Thema Glyphosat hat mich wieder mal nach langer Zeit bewogen, zu diesem Artikel im Blitz meine Meinung zu äußern. Nach den vielen Diskussionen und den Zweifeln, ob das Mittel krebserregend sei, hatten wir wohl alle gehofft, bis auf die Nutznießer, dass es keine Zustimmung zur Verlängerung der Zulassung dieses Giftes gibt. Aber unsere Hoffnungen wurden wieder mal nicht erfüllt. Im Interesse der Pharmakonzerne und der Landwirtschaft hat Minister Schmidt für Deutschland seine Stimme für eine Verlängerung des Einsatzes von Glyphosat, zunächst für fünf Jahre, gegeben. Er hat diese Entscheidung ohne Abstimmung mit der Bundesregierung getroffen. Und dann spricht unser Landwirtschaftsminister Herr Backhaus in diesem Artikel davon, dass nur professionelle Anwender mit diesem Gift arbeiten dürfen. Das Ausbringen des Mittels auf öffentlichen Flächen, versiegelten Gehwegen, Terrassen und Hauszuwegungen ist weiterhin verboten, weil es von dort ins Grundwasser gelangen könnte. Warum dieser Unterschied, wenn es da einerseits Gefahren gibt und andererseits nicht? Auch in der Nähe der behandelten Felder (Beispiel Lewitz) kann das verseuchte Grundwasser mit dem Regen in angrenzende Gräben, Bäche und Flüsse gelangen. Da hat man also gewiss doch so seine berechtigen Bedenken! Neue unabhängige Studien sollen die Auswirkungen von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit, aber auch auf Bodenlebewesen, Insekten und Vögel klären. Und wer gibt diese Studien in Auftrag? Wir erleben ständig steigende Krebserkrankungen - jeder in seinem Umfeld. Und es sind nicht nur ältere Menschen betroffen. Man will uns ja weismachen, die erhöhte Krebsrate hat mit dem Älterwerden der Menschen zu tun. Sicher auch, aber nicht nur, denn es gibt erschreckende Zunahme des Krebses auch besonders bei Kleinkindern. Forscher warnen nicht umsonst vor dem Einsatz von Glyphosat. Aber wir machen so weiter als würde all das uns nicht berühren. Fünf Jahre ist ja erstmal der Profit gesichert und »Studien brauchen ihre Zeit.« Zeit, die wir eigentlich nicht haben! Wir werden weiter beschwichtigt: Alles halb so schlimm. Noch vor 15 Jahren konnte ich die Lerche auf den Wiesen und Feldern trillern hören und ihren Aufstieg in die Lüfte beobachten. Dieses Bild erlebe ich schon lange nicht mehr. Denn mit dem Ausbringen von Glyphosat wird erwiesenermaßen der Lebensraum vieler Vögel und Insekten totgespritzt. Da gibt es dann keine Lebensgrundlage für allerlei liebenswertes Getier mehr. Sind wir wie die Schafe, die sich in ihr Schicksal auf dem Weg ins Schlachthaus fügen? Wenn wir so weitermachen, hinterlassen wir unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln kein Land der verbrannten, sondern der vergifteten Erde. Das Insekten- und Vogelsterben hat längst begonnen. Lasst es uns aufhalten!

Brigitte Gelewski, Parchim

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